Responsive image
Johannes Brahms

Violinkonzert

Gil Shaham, Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado

EuroArts/Naxos 2056078
(65 Min., 5/2002) 1 DVD

Wie man dem Publikum Musik am besten erklärt, hängt immer davon ab, wer das Publikum überhaupt ist. Ist es jener Amateur, der, anders als einst, seiner Liebe zur Musik kein Fachwissen mehr schützend zur Seite stellen kann, dann darf man ihm getrost empfehlen, sich erst einmal die 25-minütige Dokumentation anzuschauen, bevor es ans Eingemachte geht. Vor allem der Einsatz des Musikwissenschaftlers Wolfgang Sandberger sorgt dafür, dass das Verhältnis von atmosphärischem Allgemeinplatz und präziser Information einigermaßen ins Gleichgewicht kommt und man geistig gestärkt ein wunderbares Konzert genießen kann. Aufgezeichnet 2002 im Opernhaus von Palermo, begleitet Claudio Abbado auf seiner letzten Auslandstournee mit den Berliner Philharmonikern einen Geiger, der hier wie anderswo nicht so sehr für Überraschungen steht als für Tradition auf höchstem Niveau: Gil Shaham ist mit jedem Bogenstrich ein Virtuose alter Schule, ein Meister des vollen, vibratosatten Tons, des geschmeidigen Übergangs, des romantischen Wohlklangs also, doch er ist beileibe kein Langeweiler. Der von Brahms so dicht ins sinfonische Geschehen verstrickten Solostimme gewährt er mit einer zuweilen improvisatorisch wirkenden Gestaltung von Dynamik und Tempo durchaus ihr eigenes Recht. Souverän spielt Shaham in und mit dem Orchester, nutzt Freiräume für Spontaneität und persönliche Akzente und bleibt gleichwohl als Primus immer inter pares. Dass Abbado und die Berliner solch sozial gestimmte Individualität zu schätzen wissen und damit bestens harmonieren – wen wundert’s? Kein Meilenstein, aber eine beachtliche Wegmarke.

Raoul Mörchen, 21.03.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn ein zeitgenössischer Komponist kommerziell erfolgreich ist, wird er oft misstrauisch beäugt. Wenn seine Musik auch noch für Laien interpretierbar ist, umso mehr. Eric Whitacre zum Beispiel: 1980 im amerikanische Nevada geboren, charismatisch, Chor-Guru. Er mobilisiert Massen mit seinen selbstkomponierten Liedern und wird in den USA als Komponist und Dirigent begeistert gefeiert, hat die dortigen Klassik-Charts schon früh erobert. Doch seine Chorsätze sind: einfach gut. Und greifen auf […] mehr »


Top