Antoine Dard

Sechs Sonaten für Fagott oder Violoncello op. 2

Ricardo Rapoport, Pascal Dubreuil, Karine Sérafin, François Nicolet

Ramee/Codaex RAM 0702
(62 Min., 8/2006) 1 CD

 

Antoine Dard

Sechs Sonaten für Fagott oder Violoncello op. 2

Kristin von der Goltz, Hille Perl, Christine Schornsheim

Raumklang/Harmonia Mundi RK 2701
(58 Min., 3/2007) 1 CD

 

Der französische Fagottist und Komponist Antoine Dard (1715-1784) ist selbst Kennern seines Instruments lange vollkommen unbekannt geblieben. Doch nun wetteifern mit dem Fagottisten Ricardo Rapoport und der Cellistin Kristin von der Goltz gleich zwei exquisite Interpreten um die Ehre seiner Entdeckung, und zwar mit den sechs Sonaten op. 2 von 1759. Authentisch sind beide Besetzungen: denn Dard stellte die Wahl des Instruments ausdrücklich frei. Doch auch wenn von der Goltz' Einspielung mit deutlich bekannteren Interpretinnen aufwarten kann, bringt Rapoport die wertvolle Medaille weitaus stärker zum Glänzen. Dard komponierte über einem eher konventionellen, mit barocken Formeln arbeitenden Bassfundament einen technisch wie musikalisch höchst anspruchsvollen Melodiepart. In seinen Grundzügen sanglich erfunden, ist er gleichzeitig überreich mit unkonventionellen, minutiös notierten Verzierungen ausgestattet. Von der Goltz spielt das alles mit Geschmack und Differenzierungskunst. Doch wie viele Interpreten der historischen Aufführungspraxis fällt es ihr schwer, den zwischen Barock und Klassik angesiedelten "galanten" Ton zu treffen: Weil sie letztlich dem barocken Denken verhaftet bleibt, dem fließende Übergänge zwischen einzelnen individuellen Empfindungen fremd waren, wirken viele Motive und Formeln steifer und kleinmeisterlicher, als sie gedacht sind. Sehr deutlich hört man das in der Gavota der Sonata IV. Von der Goltz spielt das Stück als barocken Tanz, der ihm auch zu Grunde liegt. Rapoport aber kennt auch die galante Schäferdichtung, welche man dem populären Stück bald unterlegte. (Die Vokalfassung ist auf der CD sogar mit weiteren kleinen Liedern Dards in der Fassung für Sopran und Traversflöte eingespielt.) Während von der Goltz zur Belebung der Melodie zu jenen leicht ruppigen Akzenten greift, wie sie in der Alte-Musik-Szene allzu verbreitet sind, gelingt es Rapoport mit einer Vielzahl farblicher und emotionaler Schattierungen, neckisch und sanglich zugleich zu erscheinen – und das Stück zu einer wie zwischen Ernst und Scherz ins Ohr geflüsterten Liebeserklärung zu machen. Sollte sein Ansatz Schule machen, wird sich noch mancher galante Kleinmeister aus der Mitte des 18. Jahrhunderts als Traumprinz entpuppen.

Carsten Niemann, 28.03.2007




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