Responsive image

Free Action

Wolfgang Dauner

Promising/SPV 441052
(41 Min., 5/1967) 1 CD

Seine Musik müsste eigentlich "Contemporary Contact" genannt werden, erklärte der Pianist Wolfgang Dauner 1967 im Interview mit Joachim Ernst Berendt. Die Partituren für die Platte "Free Action" umfassten manchmal nur Rhythmikangaben, manchmal Töne, manchmal Verlaufsvorgaben mit Zeit- anstelle von Taktangaben. Die jungen Rebellen des Jahres 1967, unter ihnen der Geiger Jean Luc Ponty, der Saxofonist Gerd Dudek und der Cellist Eberhard Weber nutzten die Vorgabe zu einer Mixtur aus Disziplin und Zufall. Mal fiept und kreischt das Saxofon und zirpt und jault die Geige, mal tönen sie warm und herzlichen im gemeinsamen Klang. Mani Neumeier, Fred Braceful und Jürgen Karg an Perkussion, Schlagzeug und Kontrabass verzichten meist auf den regulären Beat und setzen pulsierende Akzente. Die sechs rasen durch wildes Getümmel und vereinen sich – manchmal auch nur in Untergruppen der gesamten Besetzung – zu intensiven, auskomponiert wirkenden Passagen. Die alten Strukturen, das "altertümliche" musste abgeschafft werden. Doch so radikal sich Dauner auch gibt: In "Collage", einem angeblich nicht notierten, nur durch Dirigiersignale geleiteten Sechsminüter, gibt es Passagen, in denen sie in die eigentlich abschaffenswürdige Arbeitsteilung zwischen Solisten und begleitender Rhythmusgruppe zurückfallen. Was die heutigen Jazzfans kaum verstehen: Diese Musik entsprach dem Zeitgeist von Musikern und Hörern und fand in gut besuchten Konzertsälen und Hochschulauditorien statt.

Werner Stiefele, 04.04.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Souvenir d’Italie: Wer bei russischer Kammermusik harmonisches Räucherwerk und schweren Samt erwartet und sich vorbereitend den Hemdkragen öffnen will, wird überrascht sein. Michail Glinka, der „Vater der russischen Musik“, war ein reisefreudiger Mann. Nachdem er seine stilbildende Oper „Ein Leben für den Zaren“ in St. Petersburg abgeliefert hatte, und weil es dort politisch so ungemütlich für Freigeister wie ihn wurde, begab er sich 1830 nach Italien und tauchte tief in die […] mehr »


Top