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Diverse

Jessye Norman - A Portrait

Jessye Norman, div. Orchester, Dirigenten, Pianisten

Decca/Universal 074 3251
(90 Min., 2005) 1 DVD

Es gibt genügend Künstler und speziell Musiker, die muss man schon gehörig locken und fordern, damit sie etwas nur halbwegs Interessantes von sich preisgeben. Jessye Norman hingegen ist für jeden Gesprächspartner ein reiner Glücksfall. Denn sie kann nicht nur viel erzählen. Sie will es auch. Dabei verfällt sie jedoch nie Geschwätzigkeit, sondern formuliert alles mit Bedacht wahlweise auf Englisch oder im fast perfekten Deutsch. Und allein ihre riesigen Augen sorgen für eine entspannte Atmosphäre, die von Normans Sinn für Humor gleich noch potenziert wird. Dementsprechend konnte sich der österreichische Multi-Kulti-Tausendsassa André Heller beruhigt in seinem Interviewstuhl zurücklehnen. Nachdem er sich mit Norman in Marrakesch, u. a. in einem prachtvollen Domizil von Yves Saint Laurent zu einem lauschigen Tête-à-tête verabredete hatte.
Und da sitzt sie nun. Diese charismatische Sängerin mit ihrem raumfüllenden Organ und in diesen geschmackvollen Designerroben, die in ihrem afrikanischen Zuschnitt weniger folkloristisch daherkommen als vielmehr Normans Traditionsbewusstsein dokumentieren. Auf ihre westafrikanischen Wurzeln ist sie schließlich genauso stolz, wie sie sich frei von jeder Koketterie darüber wundern kann, wie schnell sie nach ihrem Gewinn des ARD-Wettbewerbs erst die europäischen und dann amerikanischen Opernbühnen erobert hat. Allein in dieser sympathisch einnehmenden Art der persönlichen Nabelschau unterscheidet sich Norman von all jenen Diven, die noch nicht mal in ihrer Gewichtsklasse singen. Mit seinem Co-Regisseur Othmar Schmiderer hat Heller so seine Angebetete ganz in den Mittelpunkt gestellt. Ohne irgendwelche langweiligen Allerwelts-Lobhudeleien von Kollegen. Dafür gibt es zwischendurch Appetithäppchen ihrer Kunst von Schubert bis Strauss in manchmal etwas gewagten Rauminstallationen. Dass Jessye Norman aber nicht nur für jedes Experiment offen ist, sondern das Pathos am rechten Fleck hat, zeigt ihr Auftritt bei den Pariser Open-Air-Feierlichkeiten zum 200. Jubiläumstag der Französischen Revolution. In die Trikolore gehüllt, schmettert sie da inbrünstig die Marseillaise in den Nachthimmel – als Statement einer Künstlerin, die auch politisch etwas zu sagen hat.

Guido Fischer, 04.04.2008



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