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Frédéric Chopin

Klavierkonzerte

Boris Berezovsky, Ensemble Orchestral de Paris, John Nelson

Mirare/Harmonia Mundi MIR 047
(67 Min., 6/2007) 1 CD

Bei Chopins Klavierkonzerten geben sich die meisten Dirigenten keine sonderliche Mühe: Der Star ist schließlich das Klavier, der Orchesterpart gilt dagegen als konventionelles Beiwerk. John Nelson und sein wendiges, aus gut 40 Musikern bestehendes Ensemble Orchestral de Paris zeigen jedoch in ihrer Neueinspielung, wie gut es den Werken tut, wenn auch das Orchester sich als Teil des dramatischen Geschehens begreift: Die Temposchrauben sind durchweg etwas stärker angezogen als gewöhnlich, die Artikulation ist gespannt und der Tonfall beispielsweise im Kopfsatz des e-Moll-Konzerts von romantischer Unrast und alarmierenden Blechbläserfanfaren geprägt. Zwischen Orchester und Solist herrscht so viel Dialog wie möglich und auch Boris Berezowsky nimmt seinen Chopin nicht von der verträumten Seite, sondern lädt das virtuose Passagenwerk mit nervöser Energie und prickelndem Staccato auf. Das bekommt den Werken bestens, weil ihre Brillanz so nicht bloß solistischer Selbstdarstellung dient, sondern ihren Platz in einem stringenten dramatischen Konzept findet. Selbst in den langsamen Sätzen wird der Klangzauber dosiert und tritt zu Gunsten einer liedhaft schlichten Grundstimmung zurück. Berezowsky und Nelson machen hörbar, dass diese Mittelsätze keine für sich allein stehenden Wunschkonzertnummern, sondern nur trügerische Ruhezustände im konzertanten Prozessverlauf. Das ist Chopinspiel für das 21. Jahrhundert: ohne pathetische Pose und verkitschtes Sentiment, sondern scharfsichtig, zupackend und mit stupender Brillanz.

Jörg Königsdorf, 04.04.2008



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