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Alexander Skrjabin

Das Solo-Klavierwerk

Maria Lettberg

Capriccio/Delta Music 49586
(2004-2007) 8 CDs

Untrennbar scheint die Musik Alexander Skrjabins mit der goldenen Ära des russischen Klavierspiels verknüpft zu sein: Um die Essenz von Skrjabins Kunst, die völlige Auflösung der Notensubstanz in entmaterialisierte Klanggesten zu verwirklichen, braucht es schon die seismografisch verfeinerte Anschlagskultur eines Sofronitzki, Horowitz oder eines Sokolow. Dass die junge Maria Lettberg mit diesen Heroen gleichziehen kann, grenzt an ein Wunder – und doch legt die in Berlin lebende Lettin nun die mit Abstand überzeugendste Gesamteinspielung von Skrjabins Klavierwerk vor. Ihre Affinität zu Skrjabins Klaviersprache ist nicht nur in den zehn Sonaten, sondern auch in den kleinen Préludes und Mazurken auf Anhieb offenbar: Jedes Stück besitzt einen inneren Atem, jedem Stück gewinnt Lettberg ein Spannungsverhältnis zwischen den klar herausgespielten Spannungsbögen und der tendenziell zersetzenden, retardierenden Harmonik ab. Wunderbar beispielsweise die schwebend chopineske Melancholie, mit der Lettberg die frühen Walzer und Mazurken koloriert, ausgezeichnet getroffen auch der formal freiere, fast improvisatorische Gestus der späteren Stücke. Sicher, Sofronitzki in der fünften Sonate und Horowitz in der zehnten mögen live noch atemberaubendere hysterische Vergegenwärtigungen gelungen sein, Richter oder Sokolow haben hier manchmal noch mehr schiere Pranke hören lassen. Doch auch hier kann Lettberg mithalten. Ihr klares Dispositionsvermögen, fabelhafte Reflexe, ein immens variabler Anschlag und vor allem eine poetische Gestaltungskraft, die allen Stücken die Frische spontaner, unmittelbarer Empfindung verleiht, machen die Box zu einem Muss für alle Klavierfans.

Jörg Königsdorf, 18.04.2008



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