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Antoine Brumel

Missa de Beata Virgine

Speculum Ensemble

Naxos 8.570535
(59 Min., 10/2006) 1 CD

Im Rahmen der beispiellosen Wiederbelebung des Renaissancemusik-Repertoires, die das Konzertwesen und der Schallplattenmarkt während der letzten drei Jahrzehnte erleben durfte, ist die Musik von Antoine Brumel (ca. 1460 – ca. 1515) eher punktuell rezipiert worden: Im Mittelpunkt stand dabei ohne Zweifel die höchst faszinierende Messe "Et ecce terraemotus", eine Ausnahmekomposition von praktisch zeitloser Wirkmächtigkeit. Wer jenes Stück kennt und sich nun Brumels "Missa de Beata Virgine", die im Zentrum des vorliegenden Programms steht, zu Gemüte zu führen gedenkt, der sollte nicht eine ähnliche Sensation erwarten: Deutlich weniger spektakulär, eben einfach nach geistlicher Renaissancemusik, klingt dieses Stück; die kontrapunktischen Raffinessen, etwa die Verarbeitung gregorianischer Motive auf Soggetto- und auf Cantus-firmus-Ebene, sind nicht ohne Weiteres beim Hören wahrnehmbar. (Indes zählt – dies wird freilich nur der Spezialist zu würdigen wissen – der auf dem gregorianischen Credo I basierende Credo-Satz zu den wirklich außergewöhnlichen Kompositionen jener Zeit.) Ohne Weiteres erlebbar wird freilich die Klangschönheit und Geschmeidigkeit dieser Musik, der man ihre komplexe polyfone Struktur nicht anhört – ein Qualitätsmerkmal, denn das harmonische Miteinander zwischen äußerer Effektfülle und innerem satztechnischen Reichtum zeichnet das Spitzenrepertoire des Renaissance aus.
Das Ensemble Speculum, bestehend aus vier Männern, bringt Brumels Musik gut zur Geltung; tadellos meistens die Sauberkeit des Vortrags, nahezu perfekt die dynamische und agogische Ausgestaltung. Etwas gewöhnungsbedürftig bleibt, vor allem im Falle der Mittelstimmen, vielleicht das Timbre – leicht sandig klingt der Eine, gelegentlich leicht verknödelt tönt der Andere der Herren. Im Tutti mischen sich diese Eigenheiten ganz gut, das eine oder andere Bicinium dagegen vermag zu leichter Irritation des Hörers zu führen. Eine kleine Einschränkung dies, die vor dem Hintergrund der Gesamtqualität mühelos zu verschmerzen ist.

Michael Wersin, 25.04.2008



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