Responsive image

Love Is Real

Ulf Wakenius

ACT/Edel 0094592ACT
(62 Min., 2007) 1 CD

Je mehr man darüber nachdenkt, desto schlüssiger muss man die Idee finden: Während praktisch jedes neue Pianotrio im Geiste der Vorbild-Schweden e.s.t. agiert, dreht der Gitarrist Ulf Wakenius auf "Love Is Real" den Spieß einfach um. Und zwar, indem er Esbjörn Svenssons Musik im wahrsten Sinne des Wortes nachspielt.
Wakenius hat sich eine Reihe von Stücken aus der e.s.t.-Geschichte vorgeknöpft und sie für Saiteninstrumente übersetzt. Melodieträger ist nun die akustische Gitarre, zudem kann man das radio.string.quartet.vienna mit gehaltvoll unpathetischem Streichwerk bei vier Nummern hören. Gerade im Zusammenspiel mit diesem Quartett eröffnet Wakenius den Songs von e.s.t. unerwartete kammermusikalische Dimensionen – etwa in "Tuesday Wonderland" und "Eighthundred Streets by Feet".
Aber auch, wenn er sich dann zusätzlich von Lars Danielssons Bass, Morten Lunds Schlagzeug und Lars Janssons Klavier begleiten lässt, vermag der Schwede den Stücken seiner Landsmänner bemerkenswert andersartige Aspekte abzugewinnen. "Dodge the Dodo" beispielsweise kommt mit starkem Flamenco-Akzent daher, "Believe, Beleft, Below" wirkt wie eine Country-Ballade, "Good Morning Susie Soho" erlebt seine Wiederauferstehung als Folkrock-Weise.
Um die Sache vollmundig abzurunden, hat sich Wakenius mit den Trompetern Till Brönner und Paolo Fresu sowie Nils Landgren an der Posaune auch noch weitere solistische Erfüllungsgehilfen ins Boot geholt. Der ganze Aufwand scheint gerechtfertigt: "Love Is Real" ist eine rundum gelungene Verbeugung vor dem meistkopierten Piano-Trio der Gegenwart geworden.

Josef Engels, 06.06.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top