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Sergei Rachmaninow

Piano Concerto "No. 5"

Wolfram Schmitt-Leonardy, Janácek Philharmonie, Theodore Kuchar

Brilliant/Foreign Media MMK8900
(42 Min., 6/2007) 1 CD

Die Musik Sergei Rachmaninows ist nicht jedermanns Sache. Des Rezensenten Sache ist sie ganz entschieden, und deshalb liebt er u. a. auch Rachmaninows "2. Sinfonie in e-Moll", besonders in der Interpretation von André Previn und dem Royal Philharmonic Orchestra. Skepsis war daher die erste Reaktion, als eine Bearbeitung dieser Sinfonie zu einem "fünften Klavierkonzert" auf den Tisch kam. Muss das sein? Darf man das?
Es gibt wohl kaum ein CD-Beiheft, das den Inhalt seiner CD so nachhaltig und hartnäckig hinterfragt wie dieses: Der bearbeitende Komponist Alexander Warenberg (geb. 1952) muss sich ebenso bohrenden kritischen Fragen zum Transkriptionsunternehmen stellen wie der Pianist der Aufnahme, Wolfram Schmitt-Leonardy. Kürzungen, melodische wie harmonische Modifikationen, die Reduktion von der Vier- zur Dreisätzigkeit: Nichts bleibt unbesprochen. Ein Ergebnis der Interviews ist, dass Warenberg eben nicht bloß eine Transkription der billigen Art, sondern tatsächlich eine kreative Nach- und Neuschöpfungsleistung erbracht hat, die sich allerdings streng an profunder Kenntnis der Rachmaninow’schen Tonsprache bzw. seines kompositorischen Ethos’ orientiert. Solchermaßen beruhigt hörte der Rezensent wohlwollend das Klangergebnis der umfassenden Bemühungen – und war schwer beeindruckt: Wer Rachmaninow liebt, wird auch diese Bearbeitung lieben. Es mangelt ihr nicht an der Klangfülle und an den großen Gesten der originalen Klavierkonzerte, es fehlt ihr nicht die gewohnte stupende Virtuosität. Stattdessen allenthalben ein sehr vertrauter, niemals verfälscht wirkender Tonfall. Rachmaninow hätte es womöglich nicht viel anders gemacht – eine großartige Leistung, vom Transkribenten ebenso wie von den höchst kompetenten Ausführenden Wolfram Schmitt-Leonardy, Theodore Kuchar und dem Janáček Philharmonic Orchestra.

Michael Wersin, 06.06.2008



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