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Wenzel Ludwig Edler von Radolt

Wiener Lautenkonzerte

Hubert Hoffmann, Ars Antiqua Austria, Gunar Letzbor

Challenge/SunnyMoon CC 72291
(78 Min.) 1 CD

Auf so einen verschraubten Titel für ein Werksammlung muss man erst mal kommen: "Der Aller Treuesten Verschwignesten und nach so wohl Fröhlichen als Traurigen Humor sich richtenden Freindin Vergesellschaft sich mit anderen getreüen Fasalen Unserer Innersten Gemuets Regungen." Urheber dieses Bandwurm-Dedication war ein gebürtiger Wiener, der immerhin einen halb so langen Namen trug: Wenzel Ludwig Edler von Radolt. Viel weiß man über ihn bis auf die Lebenseckdaten "1667-1716" nicht. Und auch sein kompositorischer Nachlass erscheint momentan mehr als spärlich, das 1701 veröffentlichte Konvolut „Der Aller Treuesten …“ mit zwölf Concerti für Laute und Kammermusikbesetzung ist der bisher einzige, überlieferte Nachweis seiner Kunst. Doch bevor Lautenist Hubert Hoffmann nun mit dem Alte-Musik-Ensemble Ars Antiqua Austria samt des Dirigenten Gunar Letzbor ins Aufnahmestudio gehen konnte, um ausgewählte Stücke weltersteinzuspielen, mussten die zum Teil lückenhaften Partituren erst einmal nach den Heiligen Codizes der historischen Aufführungspraxis eingerichtet werden.
Der Aufwand hat sich gelohnt. Denn musiksprachlich wie von ihrer Substanz her unterscheiden sich diese konzentrierten Concerti erheblich von den Lautenkompositionen, die in jener Zeit etwa in Frankreich en vogue waren oder die Radolts berühmte, deutschsprachige Zeitgenossen wie Johann Kuhnau und Silvius Leopold Weiss hinterlassen haben. Radolts Inspirationsquellen lagen vielmehr einerseits jenseits der Alpen; in der chromatisch fein zerriebenen Harmonik schimmert der Einfluss Alessandro Piccininis und gar des "nobile alemano" Kapsberger durch. Gleichzeitig kann man in Tanzsatzabfolgen nicht nur wundersame Ritornelle erleben, sondern auch eine effektvoll expressive Rhetorik, die den federführenden Geist von Heinrich Ignaz Franz Biber erahnen lassen. Dass dieser durchdachte Reichtum sich fernab aller Floskeln und nun auch abseits musikphilologischer Korrektheit einstellen kann, ist den Musikern zu verdanken, die mehr als nur einen vergessenen Komponisten wiederentdeckt haben.

Guido Fischer, 06.06.2008



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