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Johann Sebastian Bach

The Italian Connection

Vital Julian Frey

DHM/Sony BMG 88697 14718-2
(69 Min., 11/2006) 1 CD

Mit den insgesamt 22 Cembalobearbeitungen italienischer Concerti, die er während seiner Weimarer Kapellmeisterzeit produzierte, stellte sich Johann Sebastian Bach einer fast unlösbaren Aufgabe: Das Verhältnis zwischen den venezianischen Originalen und den Soloversionen ist ungefähr so wie das zwischen einem Canaletto-Gemälde und einer Schwarzweiß-Abbildung. Selbst die Anreicherungen und Schlenker, mit denen Bach beispielsweise die blockhafte Dynamik der Konzerte aus Vivaldis "L’Estro armonico" aufzulockern versuchte, können da wenig ändern, und in den langsamen Sätzen mit ihren großen Melodiebögen kann das Cembalo nur sparsam Töne tröpfeln lassen. Da hilft auch der farbenreiche, kernige Ton des nach einem barocken Berliner Vorbild gebauten Instruments, das Vital Julian Frey benutzt, nur wenig. In seiner Debütaufnahme präsentiert sich der junge Cembalist vor allem als Klangliebhaber, prächtig lässt er die Begleitarpeggien rauschen, nimmt sich auch in den Ecksätzen viel Zeit, um die Töne schwingen zu lassen. Was bei originärer Cembalomusik sicher überzeugend wirkt, hier jedoch fehl am Platz ist: Schon der Kopfsatz von Vivaldis berühmten D-Dur-Konzert verliert den nötigen Drive, ohne vorwärtsdrängenden Impuls klingen die Phrasen kleinräumig und abgehackt. Um diesen Stücken auch auf dem Cembalo Glanz abzugewinnen, braucht es wohl doch den virtuosen Elan eines Andreas Staier.

Jörg Königsdorf, 13.06.2008



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