Responsive image
Hugo Wolf

Mörike-Lieder

Dietrich Fischer-Dieskau, Hertha Klust, Rudolf Wille

audite/Edel 1095599ADT
(53 Min., 1949, 1951, 1955) 1 CD

Das Wunder "Früher Fischer-Dieskau" – ein überwältigendes Gesamterlebnis, das vor allem den "Nachgeborenen" in seiner reinen Form oft vorenthalten bleibt, denn Fischer-Dieskaus Einspielungen aus den 70er, 80er und 90er Jahren überlagern die Dokumente seines außerordentlichen Könnens in der ersten Phase seiner Karriere auf ungute Weise. In den Jahren 1949, 1951 und 1955 entstanden die hier gesammelten Aufnahmen von Wolfliedern nach Texten von Eduard Mörike; es begleitet zumeist die höchst kompetente Hertha Klust. Fischer-Dieskaus Stimme präsentiert sich als phänomenal flexibles Instrument in allen Lagen, dynamischen Stufen und klangfarblichen Schattierungen. Nahtlos funktionieren sämtliche Übergänge – nirgends ist ein hartes Bellen im Brustregister oder ein intonatorisch nach oben driftendes Fisteln in der Höhe zu hören, die Stimme wird niemals als in Einzelteile zerlegt empfunden wie in zahllosen späteren Einspielungen. Dementsprechend funktioniert auch das Miteinander zwischen Text und Musik vollkommen reibungsfrei, denn der Sänger hat es nicht nötig, durch hypertrophes Deklamieren Ausdrucksnuancen zu erzwingen, die seine Stimme im Bereich des ästhetisch einwandfreien Singens nicht hergäbe. Erlebt man diese dichte Verbindung sämtlicher Parameter des Gesangsvortrags, erlebt man vor allem auch das zwanglose Zusammenwirken von Intellekt und Emotion, dann fragt man sich einmal mehr ratlos, warum Fischer-Dieskau dieses gesamtkünstlerische Vermögen so bald verloren hat. Gab er es freiwillig auf, strebte er nach immer suggestiveren Mitteln der Darbietung oder hat er seine Stimme überbeansprucht und beschädigt? Wie dem auch sei: Diese Wolflieder jedenfalls sind ein Fest des Liedgesangs, sie fesseln den Hörer augenblicklich und stellen Vieles, ja das Meiste in den Schatten, was nachher produziert wurde.

Michael Wersin, 11.07.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top