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Gustav Holst, Claude Debussy

The Planets, La mer

Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy

medici art/Naxos 2072268
(81 Min.) 1 DVD

Kriegerisches Blech für Mars, den Kriegsgott, ätherisches Holz mit Harfe für Venus, die Friedensbringerin, wirbelnde Streicherfiguren für Jupiter, den Vermittler der Fröhlichkeit: Eugene Ormandy (1899-1985), 78 Jahre alt bei dieser Aufzeichnung und höchst agil, setzt beim Dirigieren von Gustav Holsts beliebtem Astrologie-Schmachtfetzen "The Planets" all dies und noch viel mehr mit der Souveränität eines routinierten Könners effektvoll ins Werk. 42 Jahre lang hat der gebürtige Ungar (er emigrierte mit 22 Jahren) das Philadelphia Orchestra insgesamt geleitet – bei dieser Aufnahme von 1977 aus der Heimatstadt des Ensembles waren bereits 39 Jahre davon vergangen. Man kennt sich nach so langer Zeit, das ist klar: Hier sitzt prinzipiell jede Kleinigkeit. Jede dynamische oder klangliche Finesse, die Ormandy, wiewohl dabei immer präzis schlagend, mit der gestischen Expressivität eines Chorleiters liebevoll modelliert, erzeugt sofort Widerhall im Orchester. Umso eigenartiger, dass es bei den "Planets" im Zusammenspiel der einzelnen Register bzw. in deren Abwechseln dennoch gelegentlich etwas ruckelt.
Debussys "La Mer" läuft ähnlich routiniert ab, insgesamt durchaus atmosphärisch, aber freilich sehr amerikanisch: Vom französisch timbrierten, leicht rauchigen und hauchigen Orchesterzauber, wie ihn etwa Désiré-Émile Inghelbrecht zu zelebrieren verstand, fehlt hier fast jede Spur. Das kann wohl kaum anders sein, es ist eine Frage der Orchestertradition. Debussy, soviel steht fest, hätte einen miserablen Auswanderer abgegeben.

Michael Wersin, 17.07.2008



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