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Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Baptist Cramer, Ignaz Friedman, Stephen Hough u.a.

A Mozart Album

Stephen Hough

Hyperion/Codaex CDA 67598
(70 Min., 11/2006) 1 CD

Obwohl noch rechzeitig im Mozartjahr 2006 aufgenommen, findet Stephen Houghs pianistischer Beitrag/Kommentar erst jetzt den Weg zum Verbraucher. Und weil dieser kaum an einem Übersättigungsgefühl leiden kann, angesichts der damals spärlichen Ausbeute an neuen Mozartperspektiven, nimmt er dieses "Mozart Album" mit offenen Händen entgegen. Denn Hough hat um zwei Fantasien (K 475 und K 396/385f) sowie die B-Dur-Sonate K 333 von Mozart ein kleines Raritätenprogramm zusammengestellt, das bei aller musikalischen Bescheidenheit von höchstem sinnlichen Reiz ist. Da lernt man eine zweiminütige "Hommage à Mozart" eines gewissen Johann Baptist Cramer (1771-1858) kennen – die in ihrer anmutigen, bewegten Klarheit auch als Schumann-Stückchen durchgehen könnte. Von dem polnischen Klaviervirtuosen Ignaz Friedman stammt die Bearbeitung eines Menuetts aus Mozarts Divertimento für Streichquartett und zwei Hörner – das hier erst zart aufblüht und dann kokett brilliert. Ähnliche Tugenden besitzen auch die drei "Mozart-Transformationen" des Komponisten Hough. Und doch ging er entlang von zwei frühesten Klavierstücken und dem späten Lied "Sehnsucht nach dem Frühlinge" einen Schritt weiter, indem er sie in die arabesk-französische Klangwelt eines Francis Poulenc überführte.
Das Finale bildet schließlich eine von Busoni bearbeite Liszt-Fantasie über zwei Themen aus "Figaro’s Hochzeit". Und wenngleich Hough die Kunst der Attacke und Zuspitzung aus dem FF beherrscht und ausspielt, verliert er nie die Beherrschung. Gestaltungsprozesse sind ihm da wichtiger als das staubaufwirbelnde Salonhafte. Und wie spielt Hough darüber hinaus das Original "Mozart"? Ernsthaft, aber gedanklich ohne Grübeleien. Exemplarisch im Delikaten, aber ohne irgendwelches Zuckerwerk. Und stets den großen Komplex im Blick, ohne das inspirierende Detail aus dem Blickfeld zu verlieren. Houghs geht da den goldenen Mittelweg zwischen den Mozartgiganten Claudio Arrau und Friedrich Gulda – was sein Mozartalbum noch wertvoller macht.

Guido Fischer, 25.07.2008



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