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Max Reger

Cellosonaten, Cellosuiten

Alban Gerhardt, Markus Becker

Hyperion/Codaex CDA 67581
(137 Min., 8/2006, 4/2007) 2 CDs

Der Rezensent ist prinzipiell Reger-Sympathisant, aber das hier aufgenommene Cellosonaten- und Cellosuiten-Repertoire bliebt auch vor dem Hintergrund einer wohlwollenden Erwartungshaltung etwas schwere Kost. Da bringt der schuldbewusste Blick ins Beiheft Erlösung: Neben einem deskriptiven, eifrig positiven Einführungstext finden sich dort persönliche Bekenntnisse der beiden Interpreten. Und siehe da: Beide geben zu, dass sie anfangs Mühe mit diesem sperrigen Repertoire hatten. Alban Gerhardt ärgert sich über die zahllosen Spielanweisungen, die Regers Misstrauen gegenüber seinen Interpreten überdeutlich zum Ausdruck bringen, und räumt freimütig ein, dass der einsame Komponist sein Ziel, wirklich Großes zu schaffen, nicht erreicht hat. Markus Becker, durchaus vertraut mit Regers Klaviermusik, bekennt, dass ihn die Schwierigkeit des Klaviersatzes genervt hat, und dass die permanent durch weite Teile des Quintenzirkels schweifende Harmonik es den Vortragenden nicht leicht macht, eine sinnvolle und stringente Darbietung zu Stande zu bringen.
Solchermaßen durch die bewundernswert ehrlichen Interpreten exkulpiert, begibt er sich mit neuem Mut ans Hören und gewinnt nun Regers "zwischen Wutausbruch und Glücksgefühl schwankenden" (so M. Becker) Kammermusik-Ungetümen mit einem milden Lächeln das eine oder andere ab, befreundet sich auch mit den Solosuiten für Cello, in denen Reger den sicher zum Vorbild genommenen duftigen Suiten J. S. Bachs endlose Sextendoppelgrifforgien gegenüberstellt. Keine leichte Kost, diese Musik – mit geschwächter Konstitution oder leichtem Unwohlsein sollte man sie nicht zu genießen versuchen. Aber eines ist sicher: Die Interpreten haben wirklich Großartiges geleistet. Hut ab!

Michael Wersin, 01.08.2008



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