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Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart

Forellenquintett, Klavierquartett Es-Dur

Yefim Bronfman, Pinchas Zukerman, Jethro Marks, Amanda Forsyth, Joel Quarrington

Sony BMG 8869 76044-2
(69 Min., 5/2007) 1 CD

"Die Musik ist nicht lustig", erkannte Franz Schubert, und das gilt auch für lustig gemeinte Kompositionen wie "Scherzi musicali" und dergleichen. Ausgenommen sind nur Musikparodien wie jene für Gerard Hoffnung. Aber heiter sein und unterhalten, das kann Musik, und Schubert stellt das nirgends schöner unter Beweis als im "Forellenquintett", komponiert in sonnigen Tagen im oberösterreichischen Steyr. Zwar gibt es hochkarätige Aufnahmen davon im zweistelligen Bereich, aber diese aus Kanada ist keine zu viel. Vielleicht hat sie nicht die überbordende Emphase von Serkin & Co., aber mit der liebevoll-ausgepichten Kammermusikalität von Brendel and Friends kann sie spielend mithalten. Anders formuliert: Sie ist erstklassig. Bei allzeit guten Tempi verbindet sie Temperament mit einer Mischungsfinesse, wie man sie selten hört – gerade im sonst häufig intermezzohaft "routiniert" heruntergenudelten Andante. Das Zusammenspiel hier atmet, bewahrt sich also Individualität auch im genauen Ensemble. Die Soli des Variationssatzes glänzen in jenem Rahmen, den sie danach selber wieder schaffen.
Wie die Brendel-Truppe geben Bronfman & Co. noch eines der beiden Klavierquartette von Mozart zu, aber nicht das umwölkte in g-Moll, sondern das freundlichere Es-Dur. Das entstand wenige Wochen nach "Le nozze di Figaro" und hat noch ganz dessen gespannt-heiteren Tonfall, fast so, als wär's eine Harmoniemusik daraus. Darum ist es völlig richtig, dass Bronfman & Co. es ein bisschen opernhaft "groß" pointieren – seit der Aufnahme mit dem Fauré Quartett hat man es nicht mehr so launeaufhellend gehört. Der Vater des Rezensenten, ein Pianist, pflegte am Sonntagmorgen für die ganze Familie Platten aufzulegen und sprach dann auch von "Sonntagmorgenmusik", die auf den Mußetag einstimmen sollte. Das "Forellenquintett" lag ziemlich oft auf dem Plattenteller und der Mozart nur deshalb nicht, weil anscheinend keine gute Aufnahme verfügbar war. Jetzt gibt es davon schon zweie, und beide wären sie "Sonntagmorgenmusik"-tauglich, kulinarisch ohne Reue.

Thomas Rübenacker, 08.08.2008



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