Die auf dem Debütalbum präsentierte Musik ist so extravagant wie der Name dieses kanadischen Energiebündels mit eindrucksvoller Haarpracht: Kabarettlieder des 1938 geborenen William Bolcom, kombiniert mit älteren Exemplaren desselben Genres von Arnold Schönberg ("Brettl-Lieder") und Erik Satie. Die Dreisprachigkeit des Programms macht der Sängerin nur wenig Mühe: Französisch ist ohnehin ihre Muttersprache, und des Deutschen ist sie (zumindest phonetisch) leidlich mächtig, ohne sich einiger typischer Fehler (falsche Vokalfarben, falsche Vokallängen) ganz enthalten zu können.
Meascha Brueggergosman verfügt über eine wohlklingende Stimme, die sie mit starkem Hang zu ausladendem Vibrato sehr sicher und flexibel zu führen in der Lage ist. Ihre Ausdruckspalette ist prinzipiell recht breit: In den Schönberg'schen Gesängen gelingen ihr reizvolle Anklänge ans Operettengenre, bei William Bolcom hingegen gibt sie ganz den Musicalstar. Dennoch wird man den Verdacht nicht los, dass noch mehr in dieser Stimme stecken könnte: Lässt sich das Brustregister noch besser integrieren, wäre nicht auch eine sehr gerade Führung einmal ganz reizvoll, vor allem bei Satie, der doch womöglich noch stärker mit der sehr mädchenhaft-soubrettigen französischen Stimmkultur rechnet? Die junge Dame wird dies und anderes hoffentlich noch entdecken – genügend Elan scheint sie ja zu haben. Ein interessantes Debüt.

Michael Wersin, 08.08.2008



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