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Paul Dukas

Ariane et Barbe-Bleue

Deborah Polaski, Jane Henschel, Kwangchul Youn u.a., ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Bertrand de Billy

Oehms Classics/harmonia mundi OC 915
(116 Min., 5/2006) 2 CDs

Schon beim Erscheinen von Leon Botsteins Version von Paul Dukas’ "Ariane et Barbe-Bleue" im vergangenen Jahr war auf die 1968 entstandene Einspielung von Tony Aubin (Gala) zu verweisen gewesen. Und auch jetzt, angesichts der neuen Aufnahme des faszinierenden Stücks unter Leitung von Bertrand de Billy (live aus dem Wiener Konzerthaus) ändert sich das nicht. Zwar ist die stimmgewaltige Deborah Polaski nicht schlichtweg überfordert mit der anspruchsvollen Partie der Ariane wie im Jahr zuvor ihre Landsmännin Lori Philips – nein, Deborah Polaski verfügt ohne Weiteres über die nötige Durchschlagskraft, sie hat eine wirklich große Stimme. Aber wenn es in Akt eins erstmals wirklich zum Schwur kommt – in dem fordernden Monolog "O mes clairs diamants!" nämlich –, zeigt sich, dass Polaskis Stimme unter größerer Belastung tremulös zerflattert. Der Befund überrascht keineswegs, Polaski klingt schon seit Langem so; aber es ist mehr als bedauerlich, dass man für die Wiener Produktion dieses großartigen, aber leider vergessenen Schwesterwerks zu Debussys "Pelléas et Mélisande" ("Ariane", gleichfalls auf Maeterlinck basierend, ging 1907 erstmals über die Bühne) keine adäquaten Kräfte engagiert hat: Nicht nur Polaskis Leistung bleibt letztendlich unbefriedigend, sondern auch die von Jane Henschel in der Partie der Amme. Die Probleme ähneln sich.
Nun ist in Tony Aubins Aufnahme von 1968 freilich auch nicht alles Gold. Dafür sorgt allein schon die im Vergleich zu heute ungleich schlechtere Aufnahmetechnik, die vor allem den komplexen Orchesterpart nicht mit wünschenswerter Tiefenschärfe zur Geltung gelangen lässt; und mit Berthe Montmart hatte man für die Titelpartie zwar eine sehr gute, eine beeindruckende Sängerin gefunden, aber sicher hätte es auch damals noch bessere, geeignetere gegeben. Und dennoch atmet diese alte Einspielung den Geist einer heute offenbar nicht mehr so leicht erreichbaren Authentizität und leidenschaftlichen Intensität in Ausdruck und Interpretation. Wer sich selbst überzeugen will, muss nun allerdings ein wenig mehr Geschick aufbringen als vergangenes Jahr: Aubins "Ariane" gibt es mittlerweile nur noch antiquarisch, übers Internet.

Michael Wersin, 23.08.2008



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