Responsive image

Sumo

Oddjob

ACT/Edel 0094722ACT
(50 Min., 12/2007) 1 CD

Da stellt sich doch mal wieder die Frage: Wie retro ist das jetzt eigentlich? Bezieht sich die Musik des schwedischen Quintetts Oddjob nun direkt auf die Endsechziger-und frühen Siebzigerjahre – oder doch vielmehr auf die späten Neunzigerjahre, als die Rare-Groove-Tüftler die Vergangenheit neu entdeckten? Mit anderen Worten: Muss Oddjob nicht sogar in doppelter Hinsicht als unmodisch gelten? Denn – offen gestanden – der letzte Schrei ist cool verschwurbelter Psychedelic Jazz nun auch schon länger nicht mehr. Seitdem Miles Davis’ „On the Corner“-Sessions so liebevoll editiert auf dem Markt sind, greift man doch lieber zum Original.
Aber gemach. Was Oddjob, dieser Verbund von schwedischen Top-Studiomusikern und –Sidemen um den Trompeter Goran Kajfeš, da auf der vierten CD anstellt (die erste erhielt einen schwedischen Grammy), ist aller Ehren wert. Vielfältige historische Bezüge tun sich in den ohne elektronische Gegenwartssperenzchen auskommenden Kompositionen auf. „The Big Hit“ etwa gemahnt gleichzeitig an die Hippieklangschöpfungen eines David Axelrod und die japanischen Nu-Jazzer UFO. „Golden Silver“, die Verbeugung vor Horace Silver, klingt mit ihrem Orgeleinsatz wie ein Bootleg von einem Geheimtreffen zwischen dem geehrten und den Doors. Der „Sewerside Blues“ schließlich nimmt sich so aus, als habe Miles „Agartha“ mit einer durchreisenden Kapelle vom Balkan eingespielt.
Alles in allem also: ein feines Album. Es wäre allerdings noch besser geworden, wenn sich die Oddjober im Mittelteil das ein oder andere nebulöse Sound-Baiser gespart hätten.

Josef Engels, 29.08.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top