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Dmitri Schostakowitsch

24 Präludien und Fugen op. 87

Tatjana Nikolajewa

medici arts/Naxos 3085248
(164 Min., 12/1992)

Für die 1993 verstorbene russische Pianistin Tatjana Nikolajewa waren Schostakowitschs Präludien und Fugen op. 87 das zentrale Werk ihrer Karriere. Sie inspirierte Schostakowitsch nicht nur zu diesem Zyklus und führte das ihr gewidmete Werk 1952 als Erste überhaupt auf, sondern blieb ihm auch bis an ihr Lebensende treu: Dreimal spielte sie den Zyklus auf Schallplatte ein und auch ihr letzter Auftritt wenige Tage vor ihrem Tod war den Präludien und Fugen gewidmet. Und gerade in den letzten Lebensjahren änderte sich Nikolajewas Blick auf dieses wohl bedeutendste Klavierwerk Schostakowitschs noch einmal grundlegend. Im Gegensatz zu ihrer zweiten, herb-kantigen "Melodiya"-Aufnahme ist die 1990 entstandene, vielfach preisgekrönte "Hyperion"-Einspielung von einer luziden Abgeklärtheit durchdrungen.
Auch ihr Ende 1992 für die BBC entstandener Konzertfilm präsentiert das Opus 87 als großes klassisches Werk, das sich in innerer Ruhe und Tonschönheit entfaltet. Die Tempi sind gesanglich-getragen, ohne je zu stocken, das trockene Spiel mit dem mechanistischen Ablauf der Fugen, der lakonisch gallige Witz, der beispielsweise bei Schostakowitschs Eigenaufnahmen einiger Stücke aufscheint, ist zugunsten eines großen, stückübergreifenden Bogens abgemildert. Einen Fingerzeig, dass man diese Stücke auch schräger sehen kann, liefert allein die Bildregie, die zwar oft mit dem weichen Licht einer alten Stehlampe Nikolajewas Intimität schafft, auf der anderen Seite aber in den zackigeren Stücken apart mit expressionistischen Elementen spielt.

Jörg Königsdorf, 05.09.2008



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