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Hidden Hill

Mark Wyand

Sony BMG 88697 28728-2
(58 Min., 1/2008) 1 CD

Wenn man über Mark Wyands neue CD sagt, sie sei zutiefst romantisch, dann könnte möglicherweise ein falscher Eindruck entstehen. Ja, ja, Tenorsaxofon, Balladenstimmung, Besserverdienende mit Schaumwein vorm Kaminfeuer, ungefähr so etwas. "Hidden Hill" aber, dieses kontemplative Kunststück, ist romantisch im Sinne eines Novalis. Das Gemeine erhält einen hohen Sinn, das Bekannte die Würde des Unbekannten – etwa die Atemluft, die so hörbar das Saxofon durchströmt. Oder die einzelne Note, die dringend gespielt werden muss.
Mit einer einzelnen Note beginnt auch das ganze Unternehmen. Ein A, mild insistierend vom schwedischen Pianisten Daniel Karlsson wiederholt. Darauf baut ein wunderliches Stück auf, "Kriyaban", mit einem seltsam abstrakten Thema und einem Solo von Wyand, das aus unerwarteten skurrilen Wendungen und leisen, unterdrückten Überblasrufen besteht. Minimalismus und Reduktion – dies ist das Programm der CD. Es geht um die Details: etwa in John Hollenbecks heruntergedimmtem Schlagzeugspiel mit seinen kristallklaren Beckenfiguren. Oder in Frank Möbus’ Gitarrenflächen und Dieter Ilgs aufs Nötigste beschränkten Basslinien. Über den elf Stücken auf "Hidden Hill", darunter – neben Wyands eigenen Erfindungen – ursprünglich Poppiges von Björk und Goldfrapp sowie zwei Standards aus dem American Songbook, liegt ein unsichtbarer Nebel. Man muss an Caspar David Friedrich denken und an Charles Lloyd, den Naturmystiker unter den zeitgenössischen Jazzern. Mark Wyand scheint nahe dran, auf seinem geheimen Hügel die blaue Blume zu finden. Der in England geborene und in Deutschland aufgewachsene Saxofonist ist zweifellos ein Romantiker mit Zukunft.

Josef Engels, 26.09.2008



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