Responsive image
Camille Saint-Saëns

Gesamtwerk für Cello und Orchester

Johannes Moser, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Fabrice Bollon

Hänssler Classic/Naxos 93.222
(69 Min., 6/2007) 1 CD

Erfolge lassen sich nicht immer wiederholen: Nachdem Camille Saint-Saëns mit seinem ersten Cellokonzert 1872 eines der beliebtesten Werke der Gattung gelungen war, produzierte er 30 Jahre später nur noch einen Ladenhüter. Dass sich bis heute kaum ein Cellist für Saint-Saëns' Opus 119 erwärmen kann, liegt schlicht daran, dass dem Komponisten im Gegensatz zum Erstling hier keine wirklich zündende Melodie einfiel: In den Ecksätzen ersetzt virtuoses Fuhrwerken die motivische Energie, im langsamen Satz verkrümelt sich der melodische Anfangsimpuls rasch zugunsten schön klingender Richtungslosigkeit.
Diese 20 Minuten "Wirkung ohne Ursache" gehen in Johannes Mosers neuer Einspielung allerdings leidlich kurzweilig vorüber. Der Gewinner des Tschaikowsky-Wettbewerbs spielt mit biegsamem Ton, vermeidet auch in den virtuosen Passagen den aufgedonnerten Romantik-Ton und setzt mehr auf schlanke Eleganz als auf große Gefühle. Im ersten Konzert hängen die Trauben allerdings etwas höher: Zwar passt der leichte, fast kammermusikalische Ton, den das RSO Stuttgart unter Fabrice Bollon anschlägt, zu Saint-Saëns' Klassizität ebenso gut wie zu Mosers agilem Spiel, doch bleibt der Gesamteindruck etwas kühl. Pieter Wispelwey und die Deutsche Kammerphilharmonie hatten dem Werk deutlich mehr an fragilem Sentiment entlockt. Dass Moser in der frühen, erst später vom Komponisten orchestrierten Suite op. 16 nicht die intime Delikatesse erreichen kann, mit die Ophélie Gaillard bei harmonia mundi zuletzt diese Miniaturen (in der Fassung mit Klavier) veredelte, mag auch an der etwas banalisierenden Orchesterfassung liegen. Manchmal ist eben das Einfache schwerer.

Jörg Königsdorf, 26.09.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn ein zeitgenössischer Komponist kommerziell erfolgreich ist, wird er oft misstrauisch beäugt. Wenn seine Musik auch noch für Laien interpretierbar ist, umso mehr. Eric Whitacre zum Beispiel: 1980 im amerikanische Nevada geboren, charismatisch, Chor-Guru. Er mobilisiert Massen mit seinen selbstkomponierten Liedern und wird in den USA als Komponist und Dirigent begeistert gefeiert, hat die dortigen Klassik-Charts schon früh erobert. Doch seine Chorsätze sind: einfach gut. Und greifen auf […] mehr »


Top