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Wilde Gezeiten

Flexkögel

Minor Music/Edel 0801130MIO
(52 Min.) 1 CD

"Flexkögel haben ihren Platz zwischen den Stühlen gefunden." So endete unsere Besprechung des Debütalbums von Britta-Ann Flechsenhar und Christian Kögel. Wenn man sich den Nachfolger "Wilde Gezeiten" anhört, muss man sagen, dass sich die Sängerin und der Gitarrist inzwischen kommod eingerichtet haben in ihrem eigentümlichen Nischenappartement zwischen Chanson, Jazz und Pop (oder Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung). Das ehemalige Quintett präsentiert sich jetzt als Trio, in dem Christian Kögel an Bariton- und Normalgitarre sowie Jochen Krämer an Schlagzeug und – ja – "Toys" für die Maler- und Parkettarbeiten zuständig sind, während Britta-Ann Flechsenhar ganz klar und unmissverständlich die Inneneinrichtung bestimmt. Die Stimme steht im Vordergrund, mal angereichert mit Sampleschnipseln von Billie Holiday oder Shirley Bassey, mal als Chor, mal im ökonomisch eingesetzten Scat, mal als Hecheln.
Natürlich vernimmt man, dass das alles sein Fundament im Jazz hat (wie etwa die Ballade "John und Jane", die sich als ungewöhnliche Version von "Everything Happens to Me" entpuppt). Aber "Wilde Gezeiten" ist lupenreiner – wenn auch sehr eigenartiger – Deutschpop, insofern die Texte das Maß aller Dinge sind. Flexkögel verhandeln so unterschiedliche Dinge wie die Klimakatastrophe, Grillen im Park, ewiggestrige Motzkis, Liebe im Weltall und die süße Rücksichtslosigkeit der Jugend mit Sprachwitz, Spott und sanftem Wahnsinn. Das verwirrende Ergebnis könnte man als Annett Louisan für Freaks und Erwachsene bezeichnen.

Josef Engels, 04.10.2008



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