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Paul Hindemith, Ernst Toch

"Die junge Magd" op. 23 Nr. 2, "Die chinesische Flöte" op. 29

Ruth Lange, Elfride Trötschel, Sächsische Staatskapelle Dresden, Joseph Keilberth, Hans Löwlein

Hänssler Profil/Naxos PH 07043
(54 Min., 1948, 1949) 1 CD

Gustav Mahler war nicht der einzige Komponist, der sich von den freien Nachdichtungen klassischer chinesischer Lyrik inspirieren ließ, die der Dessauer Dichter Hans Bethge 1907 unter dem Titel "Die chinesische Flöte" veröffentlichte. Auch den 1887 geborenen Wiener Ernst Toch reizte die Verbindung von exotischem Setting und kontemplativer Lebensphilosophie, die gut zu dem entromantisierten Tonfall passte, den die Komponisten nach dem Ersten Weltkrieg anschlagen wollten. Sein 1922 geschriebener, nach Bethges Sammlung benannter Zyklus für Singstimme und Kammerorchester ist ein gutes Beispiel für diese Stilsuche: Im asketischen Mitteleinsatz und der neoklassizistischen Sprödigkeit erinnert Tochs Musik hier an Zeitgenossen wie Othmar Schoeck oder die späten Werke Karol Szymanowskis. Eine Orientierung, die zu dieser Zeit auch Paul Hindemith erwog: Sein 1922 auf Gedichte Georg Trakls für Alt und Kammerensemble entstandener Zyklus "Die junge Magd" versucht einen schlichten lyrischen Tonfall jenseits romantischer Gefühligkeit zu finden, die neue Sachlichkeit tritt hier noch bescheiden, ohne die zackige Dynamik der späteren Zwanzigerjahre auf.
Die Veröffentlichung von klanglich recht akzeptablen Rundfunkaufnahmen, die Ende der Vierzigerjahre mit Kräften der Dresdner Staatskapelle entstanden, schließt im Falle Tochs eine Kataloglücke und bietet in beiden Fällen Idealinterpretationen: Sowohl Ruth Lange im Toch-Zyklus wie Elfride Trötschel besitzen die schlanken, wortdeutlichen und dennoch sehr farbenreichen Stimmen, wie man sie von Sängerinnen wie Margarete Teschemacher oder Tiana Lemnitz kennt – Lange beispielsweise trifft wunderbar das stille Wundern über das eigene Schicksal, das Trakls Gedichten ihren eigentümlichen Reiz verleiht. Eine willkommene Wiederveröffentlichung, die durch ein wunderbares Rundfunkinterview mit Elfride Trötschel komplettiert wird.

Jörg Königsdorf, 17.10.2008



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