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Hugo Distler

Geistliche Chormusik op. 12, Weihnachtsgeschichte op. 10

Vocalconsort Berlin, Klaus-Martin Bresgott

Chrismon/AL!VE 3870465
(132 Min., 9(2007, 10/2007, 2/2008) 2 CDs

Persönliche Erfahrungen mit der Musik Hugo Distlers machen heutzutage sicher immer weniger Menschen; noch in den Achtzigerjahren waren evangelische Kirchenchöre Ort der Begegnung mit seiner geistlichen Musik, und ambitionierte Laienchöre, Hochschulensembles etc. beschäftigten sich mit seinen weltlichen Stücken, etwa dem "Mörike-Chorliederbuch". Doch was einst, zur Zeit seiner Entstehung, als gemäßigt modernes, im Rahmen einer kirchenmusikalischen Erneuerungsbewegung ambitioniertes sowie für Laienchöre bewältigbares Repertoire galt und als solches lange gepflegt wurde, sah sich ein halbes Jahrhundert später dann endgültig dem Vorwurf der Altbackenheit ausgesetzt. Zudem fiel Distlers kurze, aber kontroverse Biografie (geb. 1908, durch Selbstmord aus dem Leben geschieden 1942) unter den massiven Verdacht einer zu großen Nähe zum Nationalsozialismus.
Die biografischen Fragwürdigkeiten wurden später aufgearbeitet und zumindest relativiert; somit steht sein weitgehend versunkenes Repertoire nun zur Wiederentdeckung an. Mit Blick auf Hugo Distlers keineswegs biederen Stil, seinen sicheren Instinkt für die Möglichkeiten eines Chores und seine harmonisch-klangliche Kreativität bzw. Imaginationskraft wäre eine Renaissance wünschenswert. Das vorliegende Programm mit geistlichen Werken (darunter der ungeheuer fesselnde "Totentanz" nach Texten von Angelus Silesius, komponiert 1934) leistet für eine neue Distler-Rezeption Unermessliches, denn die Qualität der Darbietung kann nur als grandios bezeichnet werden: Das mit erfahrenen Ensemblesängern besetzte "Vocalconsort Berlin" unter Klaus-Martin Bresgott lässt hinsichtlich Klangkultur, Intonation, Präzision und Sprachbehandlung schlichtweg keinerlei Wünsche offen. Wirklich eine Entdeckung!

Michael Wersin, 31.10.2008



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