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Diverse

Un frisson français

Susan Graham, Malcolm Martineau

Onyx/Codaex ONYX 4030
(78 Min., 3/2008) 1 CD

Ob als Opernheroine oder als Liedsängerin – die amerikanische Mezzosopranistin Susan Graham hat ihre Karriere nach einer Maxime aufgebaut: "French is sexy". Und tatsächlich ist es nicht bei der Behauptung geblieben. Dank ihrer ausgeprägten, fast naturgegebenen Frankophilie bildet Graham zusammen mit ihren Kolleginnen Dawn Upshaw und Felicity Lott jenen feinen Pool von angloamerikanischen Elitesängerinnen, deren innige Liebe zur französischen Musik immer wieder wohlklingende Früchte hervorbringt. Für ihr letztes Album "Poèmes de l'amour" hatte Graham für die Orchesterlieder von Ravel, Debussy und Chausson immerhin noch eine thematische Klammer gewählt. Bei ihrem neuesten Klavierliedrecital geht es hingegen laut des Titels "Un frisson français" grundlegend um das Prickeln und Kribbeln, das vom Raffinement und der Sinnlichkeit der französischen Musik ausgelöst wird. Und dafür ist Graham mit ihrem Partner Malcolm Martineau gleich durch den gesamten Delikatessenladen französischer Liedkunst flaniert, um sich aus den reichen Auslagen zwei Dutzend Amuse-Gueules herauszupicken. Herausgekommen ist ein exquisites Fünf-Gänge-Menü, das chronologisch mit u.a. César Franck und Bizet als Erfinder der französischen "mélodie" beginnt. Und nach Geschmacksproben spätromantischer Chansons, etwa eines Ernest Chausson oder eines Henri Duparc, sowie vom frühen 20. Jahrhundert mit Roussel, Messiaen, Satie und Honegger, gehört das Finale Poulencs "La Dame de Monte-Carlo" von 1961.
So enzyklopädisch das Programm angelegt ist, so ist Grahams konzentriertes Stimmgebilde aus Atem, dunkel getönter Farbe und Linie der passende Gradmesser für die einnehmende Mischung aus Seelenversunkenheit und Esprit. Mit strömendem, lyrischen Espressivo macht sie Charles Gounods "Nachtigall" alle Ehre. Präzise einschwingend und die dynamischen Grade ungemein organisch pflegend, küsst sie solche Trouvaillen wie "Psyché" von Émile Paladilhe oder die zart-neobarocke Ode "À Chloris" von Reynaldo Hahn wach. Offenherzig zupackend, wie man Graham eben auch als Opernsängerin kennt, zeigt sie sich gleichfalls – in Saint-Saëns' "Danse macabre", bei dem es nur so prickelt und kribbelt.

Guido Fischer, 07.11.2008



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