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Johannes Brahms

Sinfonie Nr. 1 c-Moll, Chorwerke

Monteverdi Choir, Orchestre Révolutionnaire et Romantique, John Eliot Gardiner

SDG/harmonia mundi SDG 702
(75 Min., 10/2007, 11/2007) 1 CD

Auf den ersten Blick scheint sie nicht viel voneinander zu trennen: Bis auf wenige Sekunden stimmen die Zeitangaben auf Marek Janowskis vor Kurzem erschienener Aufnahme der Ersten Brahms' mit denen auf John Eliot Gardiners neuer Einspielung des Werks überein. Und doch stellen schon die ersten Takte klar, dass eine ganze Welt zwischen der kapellmeisterlichen Tradition Janowskis und Sir Johns aufwühlendem Brahmsbild liegt. So gnadenlos schlägt der Pauker des Orchestre Révolutionnaire et Romantique hier den Schicksalstakt, dass jedem klar wird: Hier geht es um alles. Noch konsequenter als in früheren Aufnahmen (Beethoven, Schumann) stellt Gardiner das Klangbild der historischen Instrumente inzwischen in den Dienst größtmöglichen Ausdrucks, entdeckt in den Holzbläserstimmen, die bei konventionellen Orchestern im pastosen Klangbild verschwinden, überraschend herbe, kantige Töne, trifft aber auch – beispielsweise in der wunderbaren absteigenden Cellolinie am Ende der Einleitung zum ersten Satz – einen singenden, innigen Ton.
Volle Klarheit herrscht in dieser Aufnahme, kein Detail bleibt unbeachtet: Die Pizzicati zu Beginn des Finales markieren hier einen geradezu gespenstisch leeren Raum, sind ein Tasten im Dunkel, aus dem der Drang nach der Erlösung des Hauptteils (Posaunenchoral!) organisch hervorwächst. Dass Gardiner mit dem "Begräbnisgesang" und dem "Schicksalslied" zwei brahmssche Chorwerke voranstellt, ist von bezwingender Schlüssigkeit: Heiliger Ernst und Ringen mit dem Schicksal sind hier wie dort der Grundtenor. Und sein Monteverdi Choir zeigt, dass er nicht nur immer noch zu den besten der Welt gehört, sondern auch die Herzen bewegen kann.

Jörg Königsdorf, 07.11.2008



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