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Giacomo Puccini, Jules Massenet, Giuseppe Verdi, Gaetano Donizetti

Anna Moffo. A Portrait Of Manon – Great Love Duets

Anna Moffo, Giuseppe di Stefano, Richard Tucker u.a.

Testament/Note 1 SBT2 1420
(144 Min., 1957-1965) 2 CDs

Zwar dauerte ihr Tanz auf den Bühnen der Welt nur wenige Sommer, und sicher war auch Unvernunft in der Karriereplanung ein Grund für die Kürze ihrer Gesangskarriere – und doch war der Gesang der italo-amerikanischen Sopranistin in ihrer guten Zeit ein Ereignis der besonderen Art. Das vorliegende Rezital repräsentiert Moffos Engagement im italienischen Repertoire: Ein Porträt beider Manons (Massenet und Puccini) wird ergänzt durch kürzere Ausschnitte aus "La Traviata", "La Bohème", "Madama Butterfly" und "Lucia di Lammermoor". An Moffos Seite betätigen sich mehr oder minder kunstvoll eine Reihe bekannter Tenöre. Giuseppe di Stefano als Des Grieux (Puccini) hinterlässt keinen überwältigenden Eindruck, Flaviano Labò (dto. bei Puccini) fasziniert mit viriler Durchschlagskraft, ohne sehr differenziert zu agieren. Richard Tucker als Rodolfo ("La Bohème") wirft ein weiteres Mal die Frage auf, warum er von so vielen Zeitgenossen als absoluter Spitzensänger gerühmt wurde: Er klingt wie immer angestrengt und gelegentlich zu tief. Der kultivierte Klangästhet Cesare Valetti ist für den Pinkerton ("Madama Butterfly") sicherlich eine Nummer zu klein, sorgt also nicht gerade für vokale Knalleffekte im großen Duett des ersten Aktes, entledigt sich seiner Aufgabe aber zumindest sehr seriös und klangschön.
Keine ideale Butterfly ist freilich auch Anna Moffo, gemessen jedenfalls an den rein stimmlichen Anforderungen der Partie – aber ihr gelingt im Studio doch ein rührend warmherziges, lebendiges Porträt der kleinen japanischen Geisha. In ihrem Element ist sie vor allem als Massenet-Manon – hier kann sie es in puncto kapriziöser Charme mit Victoria de los Angeles, einer anderen großen Manon jener Tage, aufnehmen; was sie in dieser wundervollen Partie zu geben vermag, ist so viel mehr als das, was wir in unseren Tagen so zu hören bekommen – man denke etwa an Renée Flemings abgetakelte Manon (Sony) –, dass man letztendlich nur staunen kann: Überforderung und Irrwege hat es in der Welt des Gesangs auch vor 50 Jahren schon gegeben. Aber daneben stehen brillante Leistungen, die bis heute ihresgleichen suchen.

Michael Wersin, 13.11.2008



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