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Diverse

Piano Virtuosos

György Cziffra, Benno Moiseiwitsch, Jorge Bolet

medici arts/Naxos 3085288
(107 Min., 1954-1963) 1 CD

Als "Virtuosen mit fünfzig Fingern" bestaunten die Kritiker György Cziffra, als der Ungar Ende der Fünfzigerjahre vor allem als Lisztinterpret im Westen Furore machte. Cziffras Spiel stand für den Versuch, der Musik durch eine ins Aberwitzige gesteigerte pianistische Brillanz eine Bedeutung abzugewinnen – sein konzeptionelles Denken war dagegen eher schwach ausgeprägt, wie seine Beethoven- und Schumannaufnahmen, aber auch schon seine etwas hilflose Einspielung von Liszts h-Moll-Sonate zeigen. Bei den Fernsehaufnahmen für die BBC, die 1962/63 auf der Höhe von Cziffras Ruhm entstanden, beschränkt er sich zum Glück auf das, was er am besten konnte: Das Höllentempo, mit dem er Liszts "Grand galop chromatique" durchrast, lässt die ebenfalls auf der DVD enthaltene Aufnahme Jorge Bolets reichlich betulich wirken, und die sechste Ungarische Rhapsodie bringt nicht nur Cziffras atemberaubende Fingerfertigkeit, sondern auch seinen charakteristischen Anschlag mit den zymbalartigen Obertönen im Diskant bestens zur Geltung.
Die mit chevaleresker Eleganz gemeisterte As-Dur-Polonaise zeigt, dass Cziffras Reflexe auch bei Chopin manchmal ins Schwarze treffen konnten, Scarlattis delikat vorbeiglitzernde Sonate K 101 erinnert daran, dass der Ungar immer auch ein großes Herz für barocke Petitessen hatte. Beigegeben sind der leider äußerst dürftig ausgestatteten DVD einige Aufnahmen mit Rachmaninow-Intimus Benno Moiseiwitsch (darunter Schumanns "Kinderszenen"), dessen Glanzzeit zu diesem Zeitpunkt allerdings schon zwei Jahrzehnte her war, und zwei weitere Bolet-Schnipsel, in denen der smarte Kubaner Albéniz’ "Triana" und Chopins "Berceuse" seine altmeisterliche Noblesse beweist.

Jörg Königsdorf, 21.11.2008



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