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Giacomo Puccini

Nessun dorma - Puccini’s Greatest Arias

Luciano Pavarotti u.a.

Decca/Universal 074 328-2
(78 Min., 1988-1995) 1 DVD

Das Phänomen Pavarotti aus nächster Nähe studieren – hierzu lädt die vorliegende DVD mit konzertanten Puccinidarbietungen (zumeist Auskopplungen aus Konzertmitschnitten) ein. Die Aufnahmen entstanden weitestgehend in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre, repräsentieren Pavarotti also zwischen seinem 55. und 60. Lebensjahr. Kein Zweifel: Er war auch in jener Phase seiner Karriere, als es schon recht deutlich um das wohlkalkulierte Beeindrucken (und Verdienen) bei speziell auf ihn zugeschnittenen Shows und Open-Air-Events ging, noch ein sehr guter Sänger. In den großartigen Momenten dieser Kompilation – und es gibt eine Menge davon – reißt einen die schiere Fülle, Schönheit und Kraft dieser einzigartigen Tenorstimme wirklich mit. Aber auch eine Menge Attitüdenhaftes hatte sich zu jener Zeit schon breitgemacht im Habitus des Sängers: So wirkt etwa das verzückte Verharren mit geöffnetem Mund, den Blick schräg aufwärtsgerichtet, am Ende von effektvollen Stücken ebenso ernüchternd wie das genüssliche Kauen und Lecken der Lippen in Erwartung des tosenden Applauses. Kurzum: Es hätte vielleicht gut getan, ein paar deutlich frühere Tracks aus den Siebzigerjahren (wenn es denn solche gibt) einzustreuen, bei denen der Sänger noch nicht als höchst routinierter Pinguin mit großem Taschentuch in der Linken aufgetreten ist.
Aber genug der Schelte: Ebenso amüsant wie erhebend ist die lange Folge der Bonustracks, die die Zahl der "Nessun dorma"-Versionen dieser DVD auf fünf erhöhen – ein gezielter Schuss aus dem seriösen Lager in Richtung des ehemaligen Handyverkäufers Paul Potts, um dessen mittelmäßige Darbietung derselben Arie gerade so peinlich viel Aufhebens gemacht wird? Hier zeigt Big P, wie es richtig geht: Faszinierend, wie er die großen, exponierten Melodiebögen auszuspannen versteht, begeisternd, wie er immer wieder die Schlusssteigerung zum hohen H nimmt. Dafür haben wir ihn geliebt, und dafür werden wir ihn immer lieben.

Michael Wersin, 21.11.2008



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