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Sergei Rachmaninow, Peter Iljitsch Tschaikowski

Suiten für zwei Klaviere, Auszüge aus "La belle au bois dormant"

Brigitte Engerer, Boris Berezovsky

Mirare/harmonia mundi MIR 070
(65 Min., 7/2006, 12/2007) 1 CD

Auf Sergej Rachmaninows Klaviermusik stürzen sich gern die Ultra-Virtuosen, um mit ebenso großen wie flinken Pranken großes Gedonner in aberwitzigem Tempo zu veranstalten. Das nervt oftmals und entspricht, zieht man Rachmaninows gut dokumentiertes eigenes Spiel zum Vergleich heran, wohl kaum den Intentionen des Komponisten. Die beiden Suiten für zwei Klaviere indes, wahre Kleinode kammermusikalischer Klavierkunst, eignen sich kaum zur eitlen Vereinnahmung durch effekthascherische Tastenhelden, denn sie erfordern ein hohes Maß an Umsicht und Einfühlungsvermögen, gilt es doch, zwei teils sehr heikle und anspruchsvolle Klavierparts zur Kongruenz zu bringen.
Brigitte Engerer und Boris Berezovsky wählen keinen vordergründig virtuosen Interpretationsansatz. Ihre Tempi sind gemäßigt, Artikulation und Anschlag sind elegant, aber nie glitzernd und gleißend zum bloßen Selbstzweck. Die "Barcarolle" der ersten Suite gestalten sie zum mitreißenden Naturbild voller herrlicher Farben mit funkelnden Wasserkaskaden, die das sanft schaukelnde Boot in schier endlose Weiten tragen: Wie die Apotheose des romantischen Gondelliedes kommt dieser Satz daher. Mit großer Wucht, ja geradezu elementarer Gewalt, entfesseln Engerer und Berezovsky dagegen das machtvolle Glockengeläut im Finalsatz der ersten Suite ("Ostern"). Gerade das Engagement der beiden Künstler für diese erste Suite, die oftmals hinter der äußerlich attraktiveren, gebündelteren zweiten zurückstehen muss, darf als sehr überzeugend bezeichnet werden. In der Darbietung der zweiten Suite überwiegt gleichfalls das lyrische Element, getragen immerhin von einem stets satten, dichten und energischen Klavierklang – es ist, als wollte das Duo dem Hörer eher die Tiefendimension dieses Stücks eröffnen als ihn auf schnellen Schwingen durch die atemberaubend virtuose Partitur hindurchjagen. Die beigefügte DVD mit 18 Minuten Videomaterial von der Aufnahmesitzung, durchzogen von Ausschnitten eines Gesprächs zwischen den Künstlern und einem unsichtbaren Interviewer, ist vor allem wegen der Klavierspiel-Szenen interessant – das Drumherum, vor allem die wenig originellen Äußerungen Brigitte Engerers, lenkt eher von der hohen Qualität der Interpretationsleistungen auf dieser CD ab.

Michael Wersin, 28.11.2008



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