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Leopold Godowsky

Renaissance

Carlo Grante

Music&Arts/Note 1 MACD1215
(78 Min.) 1 CD

Leopold Godowskys "Renaissance" ist eine Fragment gebliebene Sammlung von 16 (ursprünglich geplant: 24) Transkriptionen barocker Stücke, bearbeitet in den Jahren 1906 bis 1909. Vor allem von Rameau stammen die Vorlagen, Tanzsätze aus Suiten; ferner standen u. a. Corelli, Dandrieu, Lully, Scarlatti Modell. Godowskys Auseinandersetzung mit der Musik seiner Vorgänger ist zu verstehen vor dem Hintergrund des auflebenden Historismus: Altes, eifrig aus der Versenkung geholt von Musikologen wie Interpreten, wurde aus unterschiedlichen Gründen interessant für ein immer breiteres Publikum. Freilich war der Ansatz damals noch kein rekonstruierender wie heute üblich. Vielmehr scheute man sich nicht, das Repertoire der Vergangenheit durch die Brille zeitgenössischer Möglichkeiten zu betrachten und entsprechend aufzubereiten.
Und so machte Godowsky die ursprünglich weitgehend für Cembalo komponierte Musik nicht einfach für das moderne Klavier attraktiv, sondern komponierte auch fleißig darin herum, griff in die Satzstruktur und in die Harmonik ein. Er ließ sich inspirieren von der barocken Musik, vereinnahmte sie aber für seine eigene Ästhetik der polierten Geschmeidigkeit auf allen Ebenen. Überraschend ist, dass er in dieser Sammlung auf äußere Virtuosität praktisch völlig verzichtete – fraglich ist, ob damit nicht der einzig mögliche Reiz dieser Bearbeitungen ausfällt. Carlo Grante bemüht sich um eine lebendige Wiedergabe der Stücke, sein eigenhändig verfasster Beihefttext belegt das persönliche Interesse an der Materie; beim Hören allerdings stellt sich mehr als einmal die Frage: Wozu?

Michael Wersin, 28.11.2008



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