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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 9

Cleveland Orchestra, Franz Welser-Möst

medici arts/Naxos 2056848
(64 Min., 10/2007) 1 DVD

Das Konzert seines Cleveland Orchestra am 31. Oktober 2007 im Wiener Musikvereinssaal wird für Franz Welser-Möst ein ganz besonderes Ereignis gewesen sein: Der Umstand, dass hier Österreichs bedeutendster Dirigent fast genau zum 100. Jahrestag der Uraufführung am gleichen Ort das Allerheiligste der österreichischen Romantik aufführte, verlieh dem Abend schon von vornherein eine hohe emotionale Grundspannung – die man auf DVD auch direkt von Welser-Mösts Gesicht ablesen kann.
Der designierte Chef der Wiener Staatsoper gehört zu den wenigen Dirigenten, die offenbar ein intuitives Brucknerverständnis besitzen: Wie selbstverständlich findet er schon im Kopfsatz zu einem natürlich fließenden Tempo, das er auch in den lyrischen Passagen nicht zurücknimmt. Erstaunlich schlicht klingt dieser Bruckner oft, die Motive, die in den Holzbläsern oder den fabelhaften Hörnern aufblühen, begreift Welser-Möst als liedhafte Impulse. Seine Neunte ist kein pathetisches Ringen auf großer Bühne, sondern das schmucklos und ehrlich gezeichnete Abbild eines inneren Konflikts – selbst der blechgepanzerte Schluss des Kopfsatzes hat hier nichts Auftrumpfendes, sondern ist eher ein Moment befreienden Durchatmens. Und im Adagio gelingt es Welser-Möst tatsächlich, am Ende ein Lebensabschiedsgefühl Klang werden und die Musik in schwebender Ruhe transzendieren zu lassen.

Jörg Königsdorf, 05.12.2008



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