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Diverse

Ave Maria

Nuria Rial, Bell’Arte Salzburg, Annegret Siedel

Berlin Classics/Edel 0016412BC
(69 Min., 2008) 1 CD

Adventszeit ist Marienzeit – hat doch das Weihnachtsereignis der Geburt Christi seine Vorgeschichte in der Ankündigung des Engels Gabriel, Maria werde ein Kind gebären, das "Sohn des Höchsten" genannt werden würde. Die Gottesmutterschaft gehört zu den Haupttopoi, die u.a. in den Texten der Marianischen Antiphonen zur Reflektion gelangen; zahllose Komponisten der Barockzeit haben diese Texte und andere Elaborate des umfangreichen Bestandes marianischer Poesie in zahllosen Versionen vertont. Annegret Siedels Ensemble Bell’Arte Salzburg bietet gemeinsam mit der spanischen Sopranistin Nuria Rial einen reizvollen, kompetent musizierten Überblick über dieses Repertoire, ergänzt um einige instrumentale Werke.
Rials ungemein bewegliche und anschmiegsame Stimme passt hervorragend zu dieser Musik: Nicht nur gelingt ihr eine vollkommen reibungslose, mit den obligaten Instrumentalstimmen perfekt kongruierende Wiedergabe der frohgemut dahinjubelnden Kantilenen; auch passt ihr jungfräuliches Timbre erstklassig zum Sujet. Nuria Rial entwickelt sich, das sei in diesem Zusammenhang konstatiert, deutlich zu einer neuen Emma Kirkby; das ist in Zeiten einer mehr und mehr von den Anfangsidealen sich entfernenden Vokalpraxis in der historisierenden Szene einerseits ein angenehmer Aspekt. Rein stimmtechnisch jedoch scheint es dem Rezensenten, dass in puncto körperliche Verankerung dieser herrlichen Stimme noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind – auch Emma Kirkby hat schließlich irgendwann in ihrer Karriere doch noch ihre Stimme auf ein sichereres, körperhafteres Fundament gestellt. Dieser Schritt steht bei Frau Rial noch aus. Genießen wir derweil ihre zauberhaft keuschen marianischen Gesänge und erwarten dennoch auch mit Spannung, wie sich ihre Vokalkunst in den nächsten zehn, zwanzig Jahren weiterentwickelt.

Michael Wersin, 05.12.2008



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