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Sing Yourself A Dream

Peter Weniger

Skip/Soulfood SKP 9082
(68 Min., 6/2007) 1 CD

Peter Weniger ist nicht nur ein viel beschäftigter Saxofonist, sondern bildet als künstlerischer Direktor des Jazz-Instituts Berlin auch die künftige Improvisationselite des Landes aus. Vor diesem Hintergrund darf man Wenigers neue CD also getrost als Lehrstunde in den Fächern Ökonomie, Tonschönheit und Mitarbeiterführung bezeichnen. Wenn man den im Geiste des Funk eingespielten Vorgänger "Legal Paradizer" kennt, ist man jetzt schon ein wenig überrascht. Denn bei "Sing Yourself a Dream" handelt es sich um eine sehr ruhige Angelegenheit. Man hat sich daran gewöhnt, solche Musik als "Kammerjazz" zu bezeichnen. Aber für das, was Weniger und seine Brüder im Feingeiste – Pianist Hubert Nuss, Bassist Martin Wind und Schlagzeuger Hans Dekker – da tun, muss man ein wenig differenzieren. Obwohl die Aufnahme mit zwei Stücken beginnt und endet, die kräftig nach nordamerikanischer Landluft duften (was sich nicht zuletzt auch den wunderbar herben Bass-Soli Martin Winds verdankt), scheint die Inspiration für die CD eher aus Brasilien zu stammen. Und das liegt nicht nur daran, dass Wenigers Quartett unter anderem auch zwei Jobim-Stücke interpretiert.
Die Haltung der Bossa Nova – diese Distanziertheit, diese Coolness, dieser nonchalant lässige Esprit – sie findet sich in vielen Stücken auf "Sing Yourself a Dream" wieder. Sei es in dem wie eine ausgebremste Version von Monks "Misterioso" klingenden "Old Rabbit’s New Habits" oder in dem à la Rilke pantherhaft müde dahinschleichenden "When Lights Are Low".
Und ja: Nur selten verliert der von Stan Getz beseelte Bandanführer da seine Contenance. Wenn es denn mal geschieht, wie in "Remember EJ", wo dem Tenorsax ganz dezent ein paar schmutzige Growls entfahren, freut man sich. Denn (dieser Namenswitz muss mal erlaubt sein): Weniger ist mehr.

Josef Engels, 11.12.2008



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