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Diverse

Gloria

Gábor Boldoczki, Hedwig Bilgram u.a.

Sony BMG 88697 35234-2
(62 Min., 7/2008) 1 CD

Die Trompeter sind die Meisterdiebe unter den klassischen Musikern: Um sich Repertoire für die alljährlichen Tourneen durch die Kirchen der Republik zu verschaffen, wildern sie schamlos in allen Bereichen der Barockmusik. Auch Gábor Boldoczkis neue CD besteht zum überwiegenden Teil aus solcher Beutekunst: Hier eine Flötensonate von Händel, dort ein Arrangement von Bachs Bearbeitung eines Vivaldikonzerts, dazu mehr oder weniger Originales von Purcell und Albinoni. Zum Schluss gibt es sogar noch Gounods unverwüstliches "Ave Maria", das in diesem Barockprogramm eigentlich gar nichts zu suchen hat, aber dennoch auf seine Art zum Album passt. Denn was in "Gloria" zählt, sind vor allem Trompetenglanz, hohe Töne und blitzblanke Triller, nicht aber die Musik selbst.
An dieser CD scheinen Jahrzehnte historischer Aufführungspraxis offenbar spurlos vorübergegangen. So starr servieren Boldoczki und die Ex-Begleiterin von Maurice André, die mittlerweile 75-jährige Hedwig Bilgram etwa die "Voluntaries" des Briten John Stanley, dass jeder tänzerische Impuls der Musik verloren geht, so fantasielos und dürr klingt das Continuo in den Händel- und Albinonisonaten, wie man es seit den Sechzigerjahren nicht mehr gehört hat. Aber vermutlich ist "Gloria" ohnehin weniger zum genauen Hinhören gedacht. Und als Soundtrack für die Bescherung wird’s schon reichen.

Jörg Königsdorf, 27.12.2008



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