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Frédéric Chopin

Klavierkonzerte Nr. 1 & 2

Sa Chen, Gulbenkian Orchestra, Lawrence Foster

Pentatone/Codaex PTC 5186341
(74 Min., 7/2008) 1 CD, Bonus-DVD

Sa Chen, geboren 1979 in Chongqing (China), stellt sich dem CD-Publikum mit den beiden Klavierkonzerten Frédéric Chopins vor, begleitet vom Gulbenkian Orchestra unter Lawrence Foster. Die beiliegende DVD zeigt einen Ausschnitt aus der Aufnahmesitzung für den Mittelsatz des ersten Konzerts; wir erleben dort eine hochsensible junge Dame mit geschmeidiger, schön anzusehender Spieltechnik und differenziertem Gespür für Chopins instrumentale Kantilenen. Die DVD enthält außerdem ein Interview, in welchem sich die Chinesin als sympathische, charmante und sehr ernsthafte Künstlerin ohne jegliche Allüren präsentiert. All dies nimmt durchaus ein für die talentierte Pianistin, die in der Vergangenheit übrigens Preisträgerin bei einigen wichtigen Klavierwettbewerben war. Aber es ist zweifellos ein großes Wagnis, am Anfang einer CD-Karriere (voraus ging nur ein Solorezital bei harmonia mundi) gleich mit diesen beiden Stücken aufzuwarten, konkurriert man doch mit Belegaufnahmen der größten Pianisten des 20. Jahrhunderts.
Schon das begleitende Orchester erreicht – bleiben wir beim Mittelsatz des ersten Konzerts – nicht annähernd jenen rauchig-verhangenen Klang, den Skrowaczewski mit dem New Symphony Orchestra of London in der Rubinstein-Einspielung von 1961 (RCA) vom ersten Takt an mit größter Selbstverständlichkeit produziert. Und erst Rubinstein selbst: Die nüchtern-unprätentiöse Eleganz seines Spiels bleibt über fast ein halbes Jahrhundert hinweg ein Faszinosum ersten Ranges. Und so gibt es unbeschadet aller Könnerschaft Sa Chens – ihre Technik ist meisterhaft, ihr Einfühlungsvermögen bemerkenswert, ihre Imaginationskraft gibt für ihre Zukunft Anlass zu schönsten Hoffnungen – in einer Reihe älterer Aufnahmen (hierzu zählen auch die von Pollini, Argerich oder Lipatti) jenes im Vergleich deutlich wahrnehmbare Plus an Atmosphäre, das den Kenner immer wieder zu ebenjenen unsterblichen Leistungen greifen lassen wird. In diesem Zusammenhang ist Sa Chens für sich genommen durchaus großartige Leistung noch mehr ein Versprechen denn schon seine Erfüllung. Ihr Weg sollte mit gebührender Aufmerksamkeit verfolgt werden, zumal er sich schon jetzt wohltuend von demjenigen ihres Landsmannes Lang Lang unterscheidet.

Michael Wersin, 05.01.2009



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