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Jean-Philippe Rameau

Pièces de clavecin

Skip Sempé, Olivier Fortin

Paradizo/Note 1 PA0005
(59 Min., 2006) 1 CD, + Bonus-DVD

Auch wenn das alte Europa es nicht hören will – aber zumindest was das Barock-Patrimoine angeht sind US-Amerikaner eben doch manchmal französischer als die Franzosen. Schließlich hat ein Dirigent wie William Christie erzählerische Klangfarbnuancen wiederentdeckt, die selbst so einem Alleskönner wie Marc Minkowski hier und da schon mal fehlen. Und wenn man das Cembalospiel nicht etwa des allzu sträflich unterschätzten Olivier Baumont, sondern vom populäreren Christophe Rousset als Maßstab für die Aufarbeitung des 17. und 18. Jahrhunderts nimmt, ist das alles doch nur Trockenfutter. Im Vergleich zu der prickelnden und reichhaltigen Kulinarik, die der amerikanische Cembalist Skip Sempé jetzt bei ausgewählten Pièces de clavecin von Jean-Philippe Rameau aufgeboten hat.
Allein bei der Wahl der Waffen bzw. des Instruments hat Sempé das richtige Händchen bewiesen. Das nach Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert entstandene, zweimanualige Cembalo aus der Werkstatt Bruce Kennedys bietet einen resonanzgesättigten Unterboden, auf dem noble Tonrundungen genauso sprießen wie ein einfühlsames Espressivo, das Sempé als folgsamen Schüler von Gustav Leonhardt ausweist. Von den dagegen spindeldürr wirkenden, geradezu lustfeindlichen Exerzitien eines Rousset kann sich Sempé meilenweit absetzen. Und die nach Tonarten zu kleinen Heften gebündelten Stücke unterschiedlichsten Datums verwandeln sich dann entweder in ein brillantes Fließen und Schwingen oder Sempé reflektiert mit freiem Atem über das stolze Innenleben einer Sarabande. Als rauschende Feste entpuppen sich zudem die für zwei Cembali arrangierten Pièces de clavecin en concerts, bei denen Sempé mit dem jungen Kanadier Olivier Fortin den Idealpartner zur Seite hat. Abgerundet wird diese Lehrstunde zeitgenössischen Cembalospiels à la française von einer Bonus-DVD, auf der Solo- und Duo-Werke von A.-L. Couperin, Rameau, Chambonnières und Royer zu hören sind.

Guido Fischer, 05.01.2009



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