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Igor Strawinski

Canticum sacrum, Agon, Requiem Canticles

Stella Doufexis, Christian Elsner, Rudolf Rosen, SWR Vokalensemble Stuttgart, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Michael Gielen

Hänssler Classic/Naxos 93.226
(57 Min., 2/2004, 6/2007) 1 CD

Die Ensembles des SWR widmen sich Igor Strawinskis Spätwerken, kompetent geführt durch Michael Gielen: Es sind drei zwölftönige Stücke aus den Jahren 1956 bis 1971, die der Hörer dieser CD zu verdauen hat. Dargeboten werden sie mit jener vorbildlichen Akkuratesse und Souveränität, zu der es nur mit allen Wassern (auch der modernen Musik) gewaschene Spitzenchöre und -orchester bringen können. Der durchschnittliche Hörer wird allerdings ein wenig Geduld und eine Menge guten Willen brauchen, um diese Interpretationsleistungen würdigen zu können: Strawinski machte es seinem Publikum mit der überraschenden Hinwendung zur Dodekafonie wahrlich nicht leicht. Scharf dissonant und auf klanglicher Ebene so harsch wie reizarm kommt etwa das der Stadt Venedig und dem Evangelisten Markus gewidmete "Canticum sacrum" daher, das Strawinski selbst im Jahre 1956 in der Lagunenstadt uraufführte ("Murder in the Cathedral" titelte das Time Magazin anlässlich dieses Ereignisses, Bezug nehmend womöglich auch auf die Qualität der Darbietung); Strawinski vertonte eine Reihe von Bibeltexten im Latein der Vulgata des Hieronymus. Leider sind diese Texte (ebenso wie die der "Requiem Canticles") im ansonsten vorbildlichen Beiheft nicht übersetzt.
Weitaus gefälliger geriet dagegen die Ballettmusik "Agon": In den 16 kurzen Abschnitten dieses Stücks brilliert Strawinski u. a. mit der kreativen Vielfalt seiner Instrumentationskunst. Die "Requiem Canticles" schließlich, Strawinskis letztes Werk und auch seine eigene Begräbnismusik; sind eine hochexpressive, ergreifende Vertonung einiger Ausschnitte aus dem Text der lateinischen Totenmesse; im Blick auf die durch radikale Textkürzung bedingte sparsame Knappheit dieses Stücks sprach Strawinski von seinem "Taschenrequiem". Ein eigenwilliger Zeitgenosse, dieser Mann – seine Musik gibt beredtes Zeugnis davon.

Michael Wersin, 05.01.2009



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