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Cartography

Arve Henriksen

ECM/Universal 2086
(51 Min., 2005-2008) 1 CD

Die Zeiten, als man die hauptsächlich von Skandinaviern betriebene Verbindung zwischen Rave-Kultur und Jazz aufregend fand, sind auch schon wieder lange vorbei. Dennoch: Das Abenteuer geht weiter. Allerdings nicht mehr in dem Blockbusterformat für die größeren Massen, wie es bei Nils Petter Molvaer der Fall war. Sondern beispielsweise in den aufregenden, freilich schwerer zugänglichen Forschungsprojekten des Landsmannes und Trompetenkollegen Arve Henriksen. Der Norweger fühlt sich in vielen Grenzbereichen zuhause. Auf "Cartography" stellt er diese verschiedenen Musiklandschaften vor – es sind Gebiete, in denen die Archaik uralter Tonäußerungen auf die digitale Moderne trifft; karge Steppen; Regionen mit majestätisch großen Klangräumen, in denen zuweilen Geisterchöre ihr Unwesen treiben; japanische Gärten; Intensivstationen; Clubs. Esoterisch klingt dieser düstere Ambient-Trip ins Unterbewusste seltsamerweise nie. Sondern cool im besten Sinne des Wortes.
Vielleicht liegt’s an den Helfern. Henriksens wichtigste Mitarbeiter bei der – adäquat – an vielen verschiedenen Orten entstandenen Aufnahme sind der Sample-Spezialist, Live-Remixer und elektronische Feldforscher Jan Bang sowie der Depressions-Großmeister David Sylvian. Dessen enigmatischer Text "Before and Afterlife" über die Gegensätze zwischen Zivilisation und Natur scheint zu gleichen Teilen den geheimen Kern des Albums und Henriksens unheimliche Klanggestaltungskunst zu umschreiben. Denn so wie er, zwischen Dies- und Jenseits mit heiserem Flüstern, klagendem Wimmern, aggressivem Quietschen vermittelnd, spielt kaum ein anderer Trompete auf diesem Planeten.

Josef Engels, 08.01.2009



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