40 Jahre, nachdem Karajan mit seiner bahnbrechenden Aufführung der "Walküre" die Salzburger Osterfestspiele eröffnete (und die Berliner Philharmoniker als Grabenorchester debütieren ließ), stellte Simon Rattles Vorstoß in Aix-en-Provence 2007 einen neugierig erwarteten Schritt dar. Dagegen wurde Stéphane Braunschweigs schlappe Regie schon nach der Premiere gerecht abgewatscht. Auf DVD erscheint der zu Kammerspielgröße eingedampfte Mythenkessel wie harmlos stilisierter "Strindberg light". Eine Verlegenheitsregie ohne Impulskraft. Leider teilt sich auch die (von mir nach der Aufführung vor Ort begrüßte) "optimistische" Lesart Rattles – der im 1. Akt schleppend beginnt und erst langsam die Taue befreiend löst – auf dem DVD-Mitschnitt kaum mit. Die Klangraffinesse wirkt aufgesetzt und ein wenig steif, auch wenn man den Klang unkomprimiert im PCM-Stereo-Format hört (im Unterschied zur Dolby-Digital-Spur).
Willard White ist ein unflexibel autoritärer, stimmlich trockener Wotan. Robert Gambill (Siegmund) befremdet durch nasalen Druck. Dagegen ist Mikhail Petrenko ein jugendlich nobler Hunding, Lilli Paasikivi eine gerundet orgelnde Fricka und Eva-Maria Westbroek (Sieglinde) sogar von herrlich dramatischem Elan. Eva Johansson, eine Möchtegern-Brünnhilde, schlägt sich im Grunde achtbar. Die in vieler Hinsicht unfertig und vorläufig wirkende Aufführung ist bestenfalls als Dokument der Entwicklung der Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle von Wert. Und selbst da ist nicht wirklich ein "Wagnerfortschritt" zu verzeichnen. Sondern das Bemühen, Schritt zu halten mit der Vergangenheit.

Robert Fraunholzer, 16.01.2009



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