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Franz Schubert

Der vierjährige Posten D 190, Die Zwillingsbrüder D 647

Stephan Genz, Aga Mikolaj, Andreas Karasiak, Chorus Musicus Köln, Das Neue Orchester, Christoph Spering

Phoenix Edition/Naxos PE144
(66 Min., 1/2008) 1 CD

Schuberts Liebe zur Oper war kreuzunglücklich, aber nicht vollständig unerwidert: Dies beweisen die vorliegenden einaktigen musikdramatischen Affären, von denen die 1820 entstandenen "Zwillingsbrüder" sogar zu Lebzeiten des Komponisten aufgeführt wurden. Sie waren dabei immerhin so erfolgreich, dass sie sogar einen Folgeauftrag nach sich zogen. Spannende dramatische Konflikte sollte man dennoch nicht erwarten. Beide Stücke gehören dem harmlosen Genre des Nachspiels an: Dabei handelte es sich um musikalische Unterhaltungen, die im Anschluss an eine Theateraufführung geboten wurden und die Zuhörer darum nicht mehr mit allzu aufrüttelnden Emotionen belasten sollten. Schubert zeichnet eher Situationen nach, als dass er Charaktere schafft, doch gelingt es ihm immerhin, die dörfliche Idylle, in welcher die beiden Stücke spielen, zu entbanalisieren: Da werden eingängige Singspielphrasen in der für ihn so typischen vielschichtigen Harmonik unwirklich neu beleuchtet und selbst verblasste sprachliche Bilder wie "der Schnecke gleich", "Sturm und Pulverdampf" oder den finalen "Traualtar" weiß der erfahrene Liedkomponist mit überraschend frischen Farben auszumalen.
Bei Christoph Spering sind die Einakter in besten Händen: Die vielfältig instrumentierte Partitur wird durchsichtig musiziert, Anklänge an die musikalische Rhetorik des 18. Jahrhunderts mit ihrer Wortmalerei werden herausgearbeitet und der rhythmische Zugriff ist so frisch, dass sich selbst klischeehaft fröhliche Landleute in Menschen aus Fleisch und Blut zurückverwandeln. Während der intelligente und stimmkräftige Tenor Andreas Karasiak diesmal einen Hauch von Anstrengung zeigt, ist die Sopranistin Aga Mikolaj als stimmlich präsentes, bewegliches Käthchen bzw. Lieschen ganz mit sich im Reinen. Ein dickes Lob verdient auch der Bariton Stephan Genz, der dem Porträt des kriegsinvaliden Zwilling Friedrich Spiess in nur einer Arie emotionale Tiefenschärfe verleiht. Und auch bei der geschickten Zusammenfassung der mäßigen Dialoge im Beiheft hat Schubert diesmal einfach Glück.

Carsten Niemann, 16.01.2009



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