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Arcangelo Corelli

Corelli à la Mode

Stefan Temmingh, Olga Watts

Oehms Classics/harmonia mundi OC 598
(64 Min., 9/2007) 1 CD

Von der Blödflocke zum hochgeschätzten Medium historisch informierter Musizierpraxis: Wohl kaum eine Instrumentenfamilie hat in den letzten Jahrzehnten einen so gravierenden Aufschwung erlebt wie die der Blockflöten. Die einst verhassten Musikschulfolterprügel sind, seit sich Instrumentenbauer mit Erfolg um originalgetreue Rekonstruktionen bemühen – zum Glück! – nicht mehr wegzudenken z. B. aus Bachs "Brandenburgischen", wo sie endlich den heiser-metallischen Klang der einst penetrant allgegenwärtigen Böhm-Röhre ersetzten. Sie beglücken den Liebhaber von Ensemblemusik des Frühbarock und der späten Renaissance; und sie haben sich außerdem einen festen Platz in der modernen Musik erobert.
All das weiß und genießt ein Alte-Musik-Hörer wie der Rezensent ohnehin, und dennoch war er schon bei den ersten Takten dieser CD elektrisiert: Corellis Violinsonaten op. 5, gespielt auf der Blockflöte in originalen verzierten Versionen der Barockzeit – das ist ein Feuerwerk des nachschöpferischen Einfallsreichtums und der grenzenlos kreativen Diminutionskunst, von Stefan Temmingh umgesetzt mit flinker Zunge, sensiblen Lippen und perfekter Atemtechnik. Kongenial begleitet Olga Watts am Cembalo; diese Präzision im Zusammenspiel kann nur als umwerfend bezeichnet werden. Nicht verhandelt sei hier die unschätzbare musikwissenschaftliche Bedeutung dieser Sammlung: Schließlich verraten die Bearbeitungsleistungen der nachgeborenen, wenngleich auch ebenfalls der Barockzeit zuzurechnenden Meister so manches über den Stilwandel und über Regionalstile. Aber allein schon für die hier festgehaltene Interpretationsleistung, die dem Hörer sinnliches Vergnügen höchster Güte bereitet, gebührt den Künstlern ein Höchstmaß an Anerkennung.

Michael Wersin, 16.01.2009



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