Responsive image

Cruisen

Thomas Siffling-Trio

Jazz’n’Arts/Soulfood JNA 4109
(54 Min.) 1 CD

Thomas Siffling weiß, was der um Distinktion bemühte Jazzfreund wünscht: gutes Essen, klasse Autos, Spaß im Leben. Nach seinem Konzeptalbum "Kitchen Music" lädt der Mannheimer Trompeter nun also zum "Cruisen" im schnittigen Jaguar-Cabrio ein. Als besonderen Service gibt’s im Booklet auch gleich neun Routenvorschläge kredenzt – darunter "Schlösser der Loire" oder "Deutsche Weinstraße" – mit Einkehr- und Übernachtungstipps. Was die Musik angeht, hat Siffling im Vergleich zum Vorgängeralbum eine kleine Änderung vorgenommen und sein bemerkenswert puristisches Triokonzept (einfach nur Trompete, Bass, gespielt von Jens Loh, und Drums bzw. Percussion, bedient von Markus Faller) nun ein wenig aufgebrochen. Auf "Cruisen" ist öfters mal ein Wurlitzer-Piano (Xaver Fischer) zu vernehmen oder die rau melancholietrunkene Stimme der Sängerin Veronika Harcsa. Und Reiseleiter Siffling zeigt, was man mit einer Trompete im Namen der gehobenen Loungeunterhaltung an Bord alles so anstellen kann: Mal moduliert er neckisch die Töne oder gibt mit Bebopläufen ordentlich Gas wie im Eröffnungsstück "Good Vibes", mal lässt er versonnen und butterweich sein Flügelhorn erklingen, mal interpretiert er gewitzt-cool mit gestopftem Horn die Beatles-Nummer "Come Together". Das hat durchweg Qualität, Hand und Fuß, drängt sich aber nie so sehr auf, dass man vor lauter Schreck in Gefahr geraten würde, das Cabriosteuer zu verreißen.
Die der Aufnahme hinzugefügten Remixe sind allerdings – wie auch schon bei "Kitchen Music" – von eher zweifelhafter Qualität. Während "One Hand Clapping" in der Version des Club des Belugas unoriginell nach Gotan Project klingt, liebäugelt die "Cruisen"-Bearbeitung von Jelly Jam mit dem Drum & Bass längst vergangener Tage. So unterstreicht man nicht unbedingt, dass man die Nase im Trendwind hat.

Josef Engels, 30.01.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top