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Jean-Féry Rebel

Ulysse

Bertrand Chuberre, Stéphanie Révidat, Guillemette Laurens, La Simphonie du Marais, Le Chœur du Marais, Hugo Reyne

Musiques à la Chabotterie/Codaex MC 003
(126 Min., 7/2007) 2 CDs

Mit seinem Alterswerk, der klangmalerischen Schöpfungsgeschichte "Les Élémens", krönte Jean-Féry Rebel 1737 nicht nur ein reiches Musikerleben. Bis heute ist diese "simphonie nouvelle" sein bekanntestes Werk geblieben. Dabei hat der in Paris geborene Rebel (1666-1747) nicht nur Musikgeschichte geschrieben, als er mit einer 1711 veröffentlichten Orchester-"Caprice" das erste, autonome Tanzmusikstück überhaupt komponierte. Wer wie er schon im zarten Knabenalter von acht Jahren unter die Fittiche von Jean-Baptiste Lully kam, der musste sich zwangsläufig irgendwann auch auf dem Gebiet der Tragédie en musique ausprobieren. Doch sein Fünfakter "Ulysse" schien selbst bei seiner Uraufführung 1703 in der Académie Royale de Musique kaum für Aufsehen gesorgt zu haben. Nach nur zehn Aufführungen verschwand er wieder in den Archiven. Bis 2007, als der französische Barockexperte Hugo Reyne ihn erst in Paris und dann beim Festival Musiques à la Chabotterie wiederaufführte. Die daraus entstandene Weltersteinspielung von "Ulysse" mag zwar für die unersättlichen und zurzeit ausnehmend gut versorgten Liebhaber der französischen Barockoper eine Lücke schließen. Aber allein angesichts der jüngst ausgegrabenen Tragédies lyriques von Desmarest und Destouches erweist sich Rebels "Odysseus" von der Konstitution her als etwas schwächlich, was den musikalischen Ideenreichtum und damit die dramaturgische Spannung angeht.
In dem vom Librettisten Henry Guichard in Form gebrachten Ausschnitt aus Homers "Odyssee" steht die Magierin Circe im Mittelpunkt, die vergeblich alles versucht, den angeschmachteten Ithaka-König von dessen Gemahlin Penelope loszueisen. Und so prunkvoll sich die beiden im Finale in die Arme fallen, so vielversprechend eröffnete Rebel das Werk. Im Prolog, in dem es rhythmisch vital bis hin zum Kastagnettengeklapper zugeht. Und über den ersten Arien hängen ähnlich harmonisch verdunkelte Wolken, die Jean-Philippe Rameau später noch eindringlicher gestaltete. Überhaupt fehlt Rebels Tonsprache zumindest hier der Mut zum Experiment, vertraute er lieber auf die für eine Tragédie en musique handelsüblichen Substanzen wie wirbelnde Furien und lautmalerisches Donnergrollen. Hugo Reyne macht mit seinem Orchester La Simphonie du Marais das Allerbeste daraus, so sorgt man trotz des durchhörbaren Klangbildes für so manche, lyrisch zauberhafte Episode. Und auch der Chor präsentiert sich deklamatorisch raumgreifend. Die Sänger-Protagonisten haben dagegen bisweilen mit Phrasierung und Lagenwechseln zu kämpfen.

Guido Fischer, 05.02.2009



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