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Bernhard Crusell

Klarinettenkonzerte

Martin Fröst, Göteborger Sinfoniker, Okko Kamu

BIS/Klassik Center BISSACD-1723
(66 Min., 1/2008) 1 CD

Klarinettisten nennen den Namen Bernhard Henrik Crusell in einem Atemzug mit Weber und Spohr: Die drei Konzerte des 1775 in Finnland geborenen und später am schwedischen Hof wirkenden Musikers und Komponisten gehören zu den Werken, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Klarinette als das Instrument der aufkommenden Romantik etablierten. Dabei fielen Crusell ganz ähnliche Dinge ein wie den beiden Deutschen: Der Kopfsatz seines f-Moll-Konzerts beispielsweise malt eine ganz ähnliche Stimmung wie Webers in der gleichen Tonart geschriebenes Opus und beide Komponisten nutzten für die Finalsätze ihrer Konzerte gern den zündenden Polonaiserhythmus. Dem Vergleich mit Weber halten Crusells Werke dabei durchaus stand: Mögen auch die Themen nicht ganz so einprägsam sein, konnte der Klarinettenvirtuose Crusell dafür sein Fachwissen um die Möglichkeiten des Instruments einbringen.
Vor zwei Jahren zeigte Eric Hoeprich in seiner Aufnahme auf einem Nachbau von Crusells Grenser-Klarinette, wie sehr diese Musik auf historischem Instrumentarium an Farbe und Kontur gewinnt. Gegenüber dieser auch orchestral exemplarischen Einspielung (Ars Production) bleibt Schwedens Starklarinettist Martin Fröst leider etwas blass. Wie schon in seiner verhuschten Einspielung der Weberkonzerte neigt Fröst in den Ecksätzen zu raschen Tempi, die auch hier auf Kosten der orchestralen Tiefenwirkung gehen – die Finali, die bei Hoeprich rhythmischen Biss besitzen, sind hier nur mehr Vehikel virtuoser Quirligkeit. Zudem tendiert Frösts schlanker, weicher Klarinettenton dazu, die dynamische Spannbreite zu verkleinern und die Gegensätze zwischen den Registern einzuebnen, die Crusell gern für dramatische Effekte benutzt. Wer nur schön sein will, hat leider nicht viel zu sagen.

Jörg Königsdorf, 13.02.2009



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