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Johannes Brahms, Gustav Mahler

Alt-Rhapsodie, Das Lied von der Erde

Kathleen Ferrier, Osloer Philharmoniker, Erik Tuxen, Richard Lewis, Hallé Orchestra, John Barbirolli

Appian/Musikwelt APR 5579
(77 Min., 10/1949, 4/1952) 1 CD

Ein Fest für Verehrer der englischen Altistin Kathleen Ferrier, deren früher Krebs-Tod sich im Oktober 2003 zum fünfzigsten Mal jährt: Zwei bisher unbekannte Rundfunk-Aufnahmen sind auf der vorliegenden CD erstmals verfügbar. Es handelt sich um Mitschnitte von Johannes Brahms’ “Alt-Rhapsodie” und Gustav Mahlers “Lied von der Erde”, zweier zentraler Werke aus Kathleen Ferriers Repertoire. Die Alt-Rhapsodie produzierte sie 1947 unter Leitung von Clemens Krauss für Decca (Dutton); außerdem existiert ein Rundfunk-Mitschnitt vom Herbst 1949 aus Kopenhagen unter Fritz Busch (Danacord). Die vorliegende Version wurde auf derselben Skandinavien-Tournee wie letztere festgehalten, genauer gesagt am 14. Oktober in Oslo. Richard Tuxen dirigiert die Osloer Philharmoniker etwas unstet, der dazugehörige Männerchor singt besser als der in Kopenhagen. Insgesamt erreicht die Einspielung nicht jene faszinierende Dichte und Intensität derjenigen unter Krauss, wenngleich Kathleen Ferrier auch hier mit der gewohnten orphischen Stimmqualität aufwartet: Dem oft unglücklichen und schwermütigen Johannes Brahms, der mit der Alt-Rhapsodie ohne Zweifel eigene Befindlichkeiten künstlerisch umsetzte, scheint sie unmittelbar seelenverwandt.
Sensationell ist das von John Barbirolli dirigierte “Lied von der Erde” vom April 1952, denn Kathleen Ferrier überzeugt zumindest den Rezensenten in dieser Aufnahme mehr als in der berühmten Einspielung unter Bruno Walter: Obwohl schon von ihrer tödlichen Krankheit belastet, beherrscht sie ihr andernorts bisweilen etwas schwerfällig klingendes Stimmmaterial mit faszinierender Flexibilität und bringt es zu einer jener zeitlos gültigen künstlerischen Aussagen, die ihr in ihren besten Momenten gelangen. Als schlichtweg brillant muss auch ihr Tenor-Partner Richard Lewis bezeichnet werden: Zwar ist seine deutsche Aussprache noch schlechter als die der Ferrier, aber in punkto stimmlicher wie interpretatorischer Intensität zählt er zu den wenigen Sängern, die an Fritz Wunderlichs berühmte Darbietung unter Klemperer (EMI) heranreichen.

Michael Wersin, 09.08.2003



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