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Abyss

Jacques Schwarz-Bart

Emarcy/Universal 5308078
(67 Min., 2/2008) 1 CD

Vielleicht liegt es daran, dass er in seinem früheren Leben beinahe Verwaltungsbeamter geworden wäre, vielleicht ist es aber auch darin begründet, dass er von Natur aus so ehrlich ist – jedenfalls macht der Saxofonist Jacques Schwarz-Bart kein Geheimnis daraus, wer seine Vorbilder sind. "Meine direkten Inspirationsquellen für dieses Album sind: …", liest man mit einigem Erstaunen über soviel untypische Offenheit im Booklet. Und es folgen unter anderem John Coltrane, Keith Jarrett, Egberto Gismonti, Milton Nascimento sowie einige Namen, die dem europäischen Normalhörer kaum etwas sagen – Vertreter der traditionellen Gwoka-Musik aus Schwarz-Barts Heimat Guadeloupe. Wie der bislang als Sideman von u.a. Roy Hargrove in Erscheinung getretene Wahl-New-Yorker diese verschiedenen Einflüsse zu einem harmonischen Ganzen fügt – das muss man schon als großen Wurf bezeichnen.
"Abyss" klingt vertraut und trotzdem neu. Man mag sich stellenweise an Michael Breckers Africana, an den nervösen Metropolen-Funk des M-Base-Kollektivs oder an Manu Dibango erinnert fühlen. Und doch haben Schwarz-Barts Kompositionen, die ohne Schlagzeug auskommen, dafür aber von flirrender Percussion und dominanten Bassläufen bestimmt werden, dieses gewisse Extra. Beispielsweise verführerische Melodien, die von Tenor- und Sopransax, nonverbalem Gesang und einmal auch von einer Flöte vorgetragen werden. So eingängig das auch wirkt, so wenig naiv-pittoresk ist es. Die gewisse urbane Schärfe, die die Aufnahme auszeichnet, macht "Abyss" zweifellos zum ersten "Aufhorcher-Album" des Jazzjahrgangs 2009.

Josef Engels, 25.02.2009



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