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Richard Wagner

Das Rheingold

Falk Struckmann, Wolfgang Koch, Philharmoniker Hamburg, Simone Young

Oehms Classics/harmonia mundi OC 925
(151 Min.) 2 CDs

Eitel Freude herrscht bei den Hamburgern, seit Simone Young dort als Opernchefin agiert. So sehr haben die Hanseaten die Australierin ins Herz geschlossen, dass sie nicht mal der Verlust der überregionalen Bedeutung stört, die die Staatsoper unter Youngs Vorgänger Ingo Metzmacher und seinem Lieblingsregisseur Peter Konwitschny noch besessen hatte. Auch der Mitschnitt der Hamburger "Rheingold"-Premiere, dem bei Oehms Classics auch die restlichen "Ring"-Teilstücke folgen sollen, bestätigt diese eigenartige Diskrepanz aus Selbst- und Fremdwahrnehmung: Während im Beiheft Politiker, Geldgeber und Intendantin ganz unhanseatisch von der Großartigkeit des Projekts schwärmen, dokumentieren die CDs lediglich eine zwar gediegene, doch in keinem Punkt herausragende Aufführung.
Young war einst die erste Frau, die überhaupt den "Ring" dirigierte, und auch mit ihren (akustisch hier leider etwas benachteiligten) Hamburger Philharmonikern verwirklicht sie ihr Ideal eines natürlichen Strömens der Musik ohne drastische Pointierungen und dramatische Zuspitzungen. Die Sache läuft rund, bleibt aber auch berechenbar. Was nicht weiter stören würde, wenn die Sänger für Dramatik sorgten. Doch abgesehen von Wolfgang Kochs Alberich, der nach etwas angestrengtem Geschäker mit den Rheintöchtern seinen Fluch mit tragischer Wucht singt, ergreift niemand so recht die Initiative: Falk Struckmann wabert als Göttervater schon gewaltig, und Hausveteran Peter Gaillard muss den Loge seinem stumpf gewordenen Tenor abtrotzen. Weltniveau hört sich anders an.

Jörg Königsdorf, 25.02.2009



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