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Peter Iljitsch Tschaikowski, Dmitri Schostakowitsch

Streichquartette

Borodin Quartet

medici arts/Naxos 2072298
(125 Min., 10/1987) 1 DVD

Als das Borodin Quartet im Oktober 1987 zu Filmaufnahmen in die Londoner Henry Wood Hall kam, war es bereits Legende. Für das russische Repertoire galten die Interpretationen des 1945 von Rudolf Barshai gegründeten Ensembles als maßstäblich, vor allem für die Quartette Dmitri Schostakowitschs, mit dem die Musiker eine persönliche Freundschaft verband. Gerade die Aufnahmen der Schostakowitschquartette Nr. 3 und 8 zeigen jedoch, dass die Borodins damals ihre beste Zeit schon hinter sich hatten: Im Vergleich zu der 1962 für die Decca entstandenen Einspielung des achten Quartetts gehen die Borodins erheblich gemächlicher zu Werke. Verschwunden ist die innere Dringlichkeit, die in der früheren Aufnahme schon das einleitende Largo zu schicksalhafter Bekenntnismusik werden lässt, erstarrt ist mit der Neubesetzung der beiden Geigenpulte auch der Klang, der zuvor nicht nur Härte, sondern auch menschliche Wärme besessen hatte.
Für Tschaikowskis Quartette ist dieser kalte "Politbüro-Ton" ohnehin komplett verfehlt: Für die wunderbaren Weitschweifigkeiten des D-Dur-Quartetts haben die Borodins kein Verständnis und versuchen das Werk darüber hinaus durch Fortlassen der Expositionswiederholung im Kopfsatz und einen Strich im Finale auf klassische Strenge zurechtzubiegen. Das ist vielleicht konsequent, dem Werk geht damit jedoch seine besondere Qualität verloren: Um zu hören, wie Tschaikowski in diesem Werk träumt, wie federnd das Scherzo und wie glückselig licht das Finale klingen können, muss man (beispielsweise) zur Aufnahme des ungarischen Keller Quartetts greifen.

Jörg Königsdorf, 25.02.2009



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